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Columbos Tricks
Nach Joachim Skambraks entschlüsselte der
Leipziger Kommunikationstrainer Conrad Giller Columbos Geheimnisse zur
erfolgreichen Gestaltung konfliktreicher Gespräche. Mit dem Columbo-Trick
sollen bei konfrontativen Grundkonstellationen lösungshemmende oder
verzögernde Abwehrkämpfe vermieden werden, indem man die Gegenspieler
als Partner mit einem gemeinsamen Ziel in die Lösungsfindung einbezieht.
Dazu ermittelte Giller neun Tricks:
- Columbo steuert den Verlauf der Gespräche mit Zeugen und
Verdächtigen sehr subtil mit Fragen - und kann emotional mit
allen Antwortvarianten leben. Wenn die Antworten nicht mit seinen
Erwartungen oder der Realität übereinstimmen, diskutiert er sachlich
Widersprüche, Alternativen und Konsequenzen und wirft neue Fragen
auf. Vorwürfe oder Beschuldigungen sind von ihm nicht zu vernehmen.
- Die Verdächtigen müssten eigentlich ein hohes Interesse an der
Zusammenarbeit bei der Aufklärung haben, es betrifft ja immer eine
ihnen - wie auch immer - nahestehende Person. Columbo konstruiert
damit ein beide Seiten betreffendes gemeinsames Ziel, mit dem
die Verdächtigen sich der Diskussion nicht ohne Gesichtsverlust
entziehen können. Das käme einem Eingeständnis einer Tatbeteiligung
gleich, macht sie zumindest verdächtig.
- Unklare Situationen versucht er zu lösen, indem er sie nachstellt,
als Visualisierung oder Simulation des Ereignisses.
- Eine spezielle Technik besteht darin, Betroffene zu Beteiligten
zu machen. Columbo verwickelt die Verdächtigen in eine Diskussion
über die Tat und die möglichen Täter, denn die Verdächtigen sind
in der Regel Experten bezüglich der Lebensumstände des Opfers.
- Manchmal wollen ihm Personen helfen, können aber wegen gesetzlicher
Einschränkungen oder wollen wegen personeller Verstrickungen nicht
offen antworten. Den Auskunftswilligen baut Columbo dann Goldene
Brücken für eine Antwort, mit der beide Seiten gut leben
können.
- Bei unangenehmen Fragen stellt Columbo eine übergeordnete Person
oder Aufgabe als Verursacher hin, um Widerstand von seiner
Person abzulenken.
- Columbo vertraut seinen Gefühlen. Er hört auf die
Signale seines Bauches und geht Hinweisen auf Unstimmigkeiten bis zur
Klärung nach, auch und gerade bei Kleinigkeiten: Etwas passt nicht
zusammen, jemand macht etwas zum ersten mal oder ändert seine
Gewohnheiten, jemand will ihn von einer bestimmten Fährte ablenken.
- Außerdem besitzt Columbo ein interessantes Repertoire zur Verunsicherung
der Verdächtigen. Mit seiner Masche: „Ach, eine Frage hätte ich
noch!“ überrascht er die Verdächtigen gerade wenn sie glauben,
es überstanden zu haben. Oft ist diese Frage gar nicht mehr so
harmlos wie die vorhergehenden. Noch besser ist seine Technik,
unvollständig formulierte Vermutungen und Erkenntnisse in Halbsätzen
fallen zu lassen, um zu sehen, was passiert. Manchmal geht er sogar
noch einen Schritt weiter und erfindet Fakten, die den Verdächtigen
zu einer verräterischen Handlung verleiten.
- Columbo gestaltet sehr bewusst die Beziehungsebene zu allen seinen
Gesprächspartnern. Sein Beziehungsangebot ist (fast) immer das eines
gleichberechtigten Gesprächspartners. Sofern es die Situation
erfordert, wertet er die andere Seite bewusst auf und/oder ordnet sich
selbst unter. Sein gesamtes Auftreten verleitet die andere Seite dazu,
Columbo zu unterschätzen – was er gerne in Kauf nimmt, während er
sehr aufmerksam zuhört. Er vermittelt insbesondere den
Eindruck, sich den bewussten oder unbewussten Machtspielen der anderen
Seite zu fügen.
Die sehr spezifische Gestaltung der Beziehungsebene ist der
entscheidende Schlüssel, um den Personen und damit den Informationen
näher zu kommen. Das ist das eigentliche Geheimnis des Columbo-Tricks.
Die beschriebenen Techniken für die Gesprächsführung funktionieren alle
nur in unter dieser Voraussetzung so wirkungsvoll.
Ein sehr interessanter Nebeneffekt: Columbo kann die Techniken ohne
Kenntnis des Zusammenhangs bei allen Personen anwenden, denn: Der
Columbo-Trick provoziert die Schuldigen, aber er schützt die
Unschuldigen.
Weitere Informationen:
Columbo-Trick©
- Training zur erfolgreichen Gestaltung konfliktreicher Gespräche.
Goffman,
Erving: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag.
München: Piper 1969. (Die Originalausgabe erschien 1959 unter dem Titel
“The Presentation of Self in Everyday Life“ bei Doubleday &
Company, Inc., New York.)
Der Columbo-Trick aus Sicht der
NLP-Forschung
Skambraks,
Joachim: Die Columbo-Strategie: Was Verkäufer erfolgreich macht.
Frankfurt: Frankfurter Allgemeine Buch 2001.
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