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Regierungssprecher BöllingRegierungssprecher Klaus Bölling hielt im Herbst der Terroristen 43 Tage lang das Nachrichtenmonopol in Händen. Er allein war vom ‚Allparteien'-Krisenstab autorisiert worden, sich öffentlich zu äußern. Der Regierungssprecher nahm an sämtlichen Beratungen der Krisenstäbe teil und, wie gewohnt, an Sitzungen im Kanzleramt und im Kabinett. Bölling gehörte - übrigens nicht nur in der Krise - zum engsten Ring der Eingeweihten, sodass laufend kommunikative Aspekte in die Beratungen einbezogen wurden. Das Bestreben der Entführer, sich zur eigenen Information und zur Durchsetzung ihrer Forderungen der Presse und des Rundfunks zu bedienen, machte ständig neue informationspolitische Entscheidungen erforderlich. Unermüdlich warb Bölling in der Krise um Vertrauen und um Verständnis für die Nachrichtensperre. "Ich will weder auf Sie noch auf andere Kollegen Pressionen ausüben", erwiderte er beunruhigten Journalisten auf der Bundespressekonferenz. "Das kann ich nicht, und das lehne ich auch ab." In zahlreichen Stellungnahmen versuchte er, die Verunsicherung und Gereiztheit der Bürger im Inland einzudämmen und die öffentliche Diskussion im Ausland zu versachlichen. Die Journalisten hielten sich mehrheitlich, teils sehr solidarisch, teils der Not gehorchend, an die Nachrichtensperre. Sie erkannten den Ernst der Lage. Und sie kannten Bölling. Die Bonner Korrespondenten wussten, dass er bisher keine ‚Öffentlichkeitsverhinderungsarbeit’ betrieben hatte. Bleibt die Frage, ob in einer ähnlichen Krisensituation auch heute noch eine gut funktionierende Krisen-PR möglich ist. Klaus Bölling schließt im Gespräch mit Thomas Mavridis zumindest ein Funktionieren der Nachrichtensperre in der heutigen Zeit "mit absoluter Sicherheit" aus: "Die Globalisierung der Medien würde das total unmöglich machen. Es würde auch nicht mehr passieren, weil die öffentlich-rechtlichen im Sog des ‚Commercial Television' sind. Die Frage ist mit einem klaren und glatten ‚Nein' zu beantworten. Es wäre unmöglich, dass es heute noch einmal diese Solidarisierung oder ‚Verschwörung des Schweigens' zwischen Medien und Regierung gibt. [...] Die Terroristen hätten es heute wahrscheinlich sehr viel leichter. Sie könnten auf diesem Klavier, auf diesen vielen Klavieren, auch jenseits nationaler Grenzen, mühelos spielen. Denn selbst wenn es hier Journalisten gibt, die nicht in gleicher Weise Selbstbeschränkung, Selbstdisziplin üben wie damals, aber doch ein gewisses nationales Interesse an einer erfolgreichen Anti-Terror-Kampagne oder -Strategie gut finden, würde CNN sich der Sache annehmen. Damit wären alle Bemühungen, die nationale Presse zu einer gewissen Mitwirkung oder Kooperationshaltung zu bewegen, für die Katz'."
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