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Öffentlichkeitsarbeit ist machbar – mit zeitgemäßen Verständnis
Früher war die Öffentlichkeitsarbeit stets eng mit Marketing und
Werbung verknüpft. Henry Ford, der Gründer des amerikanischen
Automobilkonzerns, prägte einst den Merksatz: „Wenn du einen Dollar in
ein Unternehmen steckst, musst du einen weiteren bereit halten, um es
bekannt zu machen.“ „Tu Gutes und rede darüber“, hieß das später
in Deutschland: Unter diesem Titel schrieb Georg Volkmar Graf
Zedtwitz-Arnim 1961 ein erstes Standardwerk der Public Relations. Ihm
folgten diverse Ratgeber ähnlicher Machart, mit plakativen Titeln. Um die
immer größer werdenden Unterschiede zwischen Reklame, Werbung und
Öffentlichkeitsarbeit zu verdeutlichen, erfand der Bankier Alwin
Münchmeyer das Gleichnis vom jungen Mann, der die Bekanntschaft eines
Mädchen macht: "Wenn ein junger Mann ein Mädchen kennen lernt und
ihr erzählt, was für ein großartiger Kerl er ist, so ist das Reklame.
Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung. Wenn sie
sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört hat, er sei
ein feiner Kerl, so ist das Public Relations."
Die behäbige PR-Arbeit der alten Schule hat ausgedient
Das war einmal. Die behäbige PR-Arbeit der alten Schule mit ihren
einfachen Erklärungen und Rezepten hat ausgedient. Sollte man meinen.
Doch noch immer finden wir Definitionen vor, die Öffentlichkeitsarbeit
auf die einfache Gleichung „Werbung + Pressearbeit = PR“ reduzieren.
Das kommt besonders heutzutage einer Trivialisierung und Banalisierung der
Öffentlichkeitsarbeit gleich. Werbung ist eher ein Teil des Marketing („Markt
machen“) als ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem heutigen
Erkenntnisstand über die Möglichkeiten und Grenzen der Werbung ist auch
die Aussage von Henry Ford nicht mehr kompatibel: „Mindestens 50 Prozent
der Werbeaussagen sind vergebens, das Problem ist nur: Ich weiß nicht
welche 50 Prozent.“ Diese Feststellung trifft nur dann zu, wenn
Marktkommunikation mangelhaft geplant wird, was sich bei der
Werbebudgetierung bereits zeigt. In der Marketinglehre existieren leider
keine hundertprozentig exakten Verfahren, aber es gibt eine Reihe von
Methoden, die zur Problemlösung herangezogen werden können.
Die Effizienz klassischer Werbung steht auf dem Prüfstand
Werbung bietet allenfalls die einprägsamen Bilder und
Identifikationsmöglichkeiten, während PR den gesamten
Kommunikationsprozess kontrolliert. Beide sind aber konsequent an einer
Grundidee ausgerichtet und nicht bloß additiv miteinander verknüpft.
Hinzu kommt, dass die Effizienz klassischer Werbung, also von Anzeigen in
Zeitungen und Zeitschriften und Fersehspots, angesichts von Widerständen
des Publikums auf dem Prüfstand steht (FAZ, 9. September 2002, S. 19).
Einwegkommunikation, Berieselung und Benebelung der Kunden bringen
überhaupt nichts mehr. Vor allem im Fernsehen scheint die Werbung an eine
Sättigungsgrenze geraten zu sein. Ende der neunziger Jahre wurden auf
deutschen Bildschirmen mehr als fünfeinhalbtausend Marken in über 1,5
Millionen Spots beworben, die zunehmend nur noch als Belästigung
empfunden werden. Kein Wunder, dass da die Zahl derer sinkt, die sich noch
an eine solche Einblendung erinnern. Die offenkundige Werbemüdigkeit
stellt die überkommenen Formen der Beeinflussung also in Frage.
Progressive Strategien zielen auf die Entwicklung eines
Kommunikationsmanagements, das sich als Beitrag zur öffentlichen
Meinungsbildung versteht und damit dichter an die Funktion klassischer
Medien heranrückt: Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations eben. So hat
die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA)
den Anteil ihrer Werbeaufwendungen auf rund zehn Prozent heruntergefahren,
während 90 Prozent in PR-Aktivitäten gehen. Die Pressearbeit ist dabei
ein wichtiges Element. Doch auch hier gibt es – übrigens nicht nur bei
Laien - immer wieder Missverständnisse. Wege der Kommunikation sind nicht
so einförmig wie mancher sie gerne hätte. Schön ist die Vorstellung vom
Trichter, den man am Kopf des Journalisten ansetzt, und mit dessen Hilfe
man dann mühelos alles Wichtige hinein gießen kann. Doch Kommunikation
ist in Wirklichkeit doch etwas komplexer.
Warum gibt es nicht mehr Berichte über das Positive?
„Journalisten meinen es schlecht mit uns. Warum gibt es nicht mehr
Berichte über das Positive?“ Solche Klagen hören
Öffentlichkeitsarbeiter oft. Dagobert Lindlau, der ehemalige Chefreporter
des Bayerischen Rundfunks, weiß darauf eine plausible Antwort: „Die
Aufforderung an die Presse, mehr über das Positive zu berichten, ist
ebenso sinnvoll wie die Bitte an den Klempner, er möge sich um alle
ordentlich funktionierenden Wasserhähne kümmern, und nicht immer um die
wenigen, die tropfen, spritzen, klemmen oder sonst irgendwie ihren Dienst
versagen.“ Das herkömmliche Verständnis von PR-Arbeit dachte im
Freund-Feind-Schema und unterstellte, dass jede andere als die eigene
Position falsch ist. Bemühen wir noch ein Ford-Zitat, dieses Mal ein
gegenwartsnahes: »Um Erfolg zu haben, musst du den Standpunkt des anderen
annehmen und die Dinge mit seinen Augen betrachten.« Folgt man diesem
Ratschlag, so sieht die Sachlage aus journalistischer Sicht völlig anders
aus: Öffentlichkeitsarbeit liefert Material, das eine Redaktion
möglicherweise veranlasst, ein bestimmtes Thema auszuwählen und
gegenüber anderen Themen höher zu gewichten. Der Anteil der
interessengeleiteten, aber nicht hinterfragten Berichte in den Medien habe
deutlich zugenommen, sagen gegenüber der Öffentlichkeitsarbeit kritisch
eingestellte Publizisten. Immer weniger Redakteure und Autoren machen sich
die Mühe, die vorgefertigten Produkte der PR-Macher gründlich zu prüfen
und sie lediglich als eine von vielen Informationsquellen zu betrachten.
Unter dem Druck des Terminjournalismus bleibe wenig Zeit, hartnäckig
nachzurecherchieren, was systematisch verschwiegen werde. Was in manchen
Organisationen als zu wenig Öffentlichkeitsarbeit wahrgenommen wird, wird
in den Redaktionen mitunter als zu viel registriert. Auch daraus haben
sich Abziehbilder von PR-Verantwortlichen entwickelt. "Whitewashers",
Weißwäscher, so wurden die Macher von PR in den USA einst genannt. Die
Klischees von den "geheimen Verführern" und "großen
Manipulatoren" halten sich hartnäckig in den Köpfen.
Der entscheidende Punkt hierbei ist aber, ob gute, richtige, sachliche
und verwertbare Informationen zur Verfügung gestellt werden oder nicht.
In der Informations- und Kommunikationsgesellschaft beruhen, wie der
Soziologie Richard Münch in seinem Buch „Dynamik der
Kommunikationsgesellschaft“ schreibt, nicht nur wirtschaftliche
Aktivitäten und ökonomischer Erfolg, sondern auch gesellschaftliches und
politisches Handeln, Planen und Werben zunehmend auf der Fähigkeit,
Informationen aufzuarbeiten, zu transportieren und öffentlich zu
vermitteln. Das Material sollte dabei selbstverständlich nicht nur den
Lesern der Intelligenz-Blätter verständlich gemacht werden, sondern auch
den Lesern der Yellow Press.
Thomas Mavridis ist Leiter der Pressestelle der Landesapothekerkammer
Baden-Württemberg,
Mitglied der Redaktion des PR-Guide
und Lehrbeauftragter für PR an der Otto-Friedrich-Universität
Bamberg.
Kontakt: mail@mavridis.de
Dies ist die gekürzte Version des Beitrages von Thomas
Mavridis aus der Apotheker Zeitung Nr. 45/2002, 18. Jahrgang, S. 12f.
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