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Information und Kommunikation in Europa

hrsg. von Barbara Baerns, Juliana Raupp
Berlin: Vistas 2000
ISBN: 3-89158-288-9
444 Seiten, 82,- DM

Forschung und Praxis

Unsere Meinung:

Auf dem Gebiet der transnationalen Information und Kommunikation besteht ein hoher Problemlösungs- und Forschungsbedarf. Umso erfreulicher ist es, dass sich zahlreiche namhafte Autoren zusammengefunden haben, um sich diesem Bereich umfassend zu widmen. In fünf Themenblöcken stellen sie Positionen, Studien, Fallbeispiele und Werkstattberichte zur europäischen Kommunikationspolitik vor. Die Mehrzahl der Beiträge geht auf die internationale Konferenz zum Thema Transnationale Kommunikation in Europa im Oktober 1999 in Berlin zurück. Die Konferenz führte Kommunikationsfachleute und Wissenschaftler aus nahezu allen Ländern der Europäischen Union, aus der Schweiz, aus Zentral- und Osteuropa zusammen. Sie wurde vom Studienschwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit (Kommunikationsmanagement) des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin vorbereitet und mit der Jahrestagung und Mitgliederversammlung von Conféderation Européene des Relations Publiques (CERP) Education & Research verknüpft.

Der Sammelband scheint schon auf den ersten Blick keine Frage transnationaler Information und Kommunikation auszulassen. So vielschichtig sind die Themen, die angerissen werden. Von Belang für die Theorie und Praxis der PR sind nahezu alle Beiträge. Viele Autoren befassen sich mehr oder weniger explizit mit der neuen europäischen Währung. Anhand des Erfahrungsberichts der Aktionsgemeinschaft Euro macht Klaus Löffler, der Leiter des Informationsbüros des Europäischen Parlaments, deutlich, warum eine zentral aus Brüssel gesteuerte Öffentlichkeitsarbeit nicht gelingen kann, um generelle Zustimmung für das neue Geld zu erlangen. Zu unterschiedlich ist die öffentliche Sach- und Seelenlage von Land zu Land. Das Schlagwort Dezentralisierung steht ohnehin als eine der Maximen bereits seit 1993/94 im Raum. Seinerzeit versuchte die Europäische Kommission mit umfangreichen Reformen ihrer Öffentlichkeitsarbeit Lehren aus dem Maastricht-Debakel von 1992 zu ziehen. Andere Länder, andere Kommunikationsstrategien. Das ist auch eine der wesentlichen Schlussfolgerungen aus einer Umfrage zur Nutzung von Online-Medien in der täglichen internationalen Praxis der Öffentlichkeitsarbeit, die Katja Schröder vorstellt.

Klaus Kocks will mit der Verneinung, dass PR ein völkerverbindendes Kulturprinzip sei, für eine argumentative Abkühlung sorgen. Darauf weist schon der Untertitel seines Essays hin. Dass es jedoch nicht um PR, wie es in der Überschrift heißt, sondern auch hier um den Euro geht, dessen völkerverbindendes Kulturprinzip in Frage gestellt wird, wird erst bei näherer Lektüre von Kocks Aufsatz klar. Kocks Warnung, dass die ökonomischen Chancen des Euro nicht nur als einheitliches Zahlungsmittel, sondern auch als Katalysator der europäischen Einigung ruiniert werden, wenn der Euro mit einer mehr oder weniger idealisierten Vorstellung einer homogenen kulturellen Identität aller Nationalitäten und Regionen verbunden wird, ist unschwer zuzustimmen. PR muss natürlich andernorts ansetzen. Denn (europäische) PR kann durchaus völkerverbindend sein, wenn Propaganda schon das Gegenteil zustande gebracht hat. Und mit der richtigen Verortung von PR wären wir wieder bei Kocks Hoffnung, dass im sich vereinenden Europa das Denken in Freund-Feind-Gegensätzen verschwindet, dass ein aufgeklärter, würdevoller Umgang mit dem Dissens gepflegt und dass Verschiedenheit als Bereicherung der Zivilisierten verstanden wird. Hier muss PR also ansetzen.

Es ist vernünftig, dass die Herausgeberinnen das Buch zweisprachig, in Deutsch und Englisch, gestaltet haben. (Es wurde übrigens auch ein kurzer französischer Beitrag zum Thema nationale und europäische Identität des Leiters des Informationsdienstes der französischen Regierung, Bernard Candiard, aufgenommen.) Schließlich soll das Buch einer europäischen Leserschaft zugänglich sein - eine entscheidende Vorsaussetzung für transnationale Kommunikation überhaupt. Dass sich dies auch im Umfang des Buches - 444 Seiten - niederschlagen musste, ist einleuchtend, aber keinesfalls störend. Immerhin waren 43 Autoren aus Theorie und Praxis an dem Sammelband beteiligt. Und sie halten wichtige Beiträge zur Diskussion parat. Der Band ist nicht nur für diejenigen, die sich beruflich mit Information und Kommunikation in Europa beschäftigen müssen, eine äußerst lohnenswerte Lektüre.

Thomas Mavridis

In: PR-Guide 8/2001

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