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Professionell Briefe schreibenvon Hans-Peter Förster Neue Wege der Geschäftskorrespondenz - kundengerecht und imagefördernd Unsere Meinung: Umständliche Verkünstelungen und ödes Floskelgemenge kommen in
Briefen von Organisationen offensichtlich noch häufiger vor als man
denkt. Es wird anscheinend noch immer zu wenig gesehen, welche
Variationsvielfalt uns die Schriftsprache zu bieten hat. Zum Ausdruck von
Unternehmenskompetenz werde in zunehmendem Maße eine griffige, eindeutige
Sprache und deren Konstanz erforderlich sein. Davon ist Hans-Peter
Förster, Autor des Buches >Professionell Briefe Schreiben<,
überzeugt. Er fordert ein neues Bewusstsein in der Briefkultur und ein
>neues Schreibvergnügen.< Förster entwickelte vor Jahren das Corporate Wording. Die Farben-Sprache jenes Konzepts kommt auch in diesem Buch zum Einsatz, und zwar in Verbindung mit zwei Schreiber-Typen, die der Autor BRUTUS und COLOUR nennt. Für BRUTUS, eine Mischung aus >konservativem Traditionsleser< und >perfektionistischem Faktenleser< stehen BLAU und GRÜN. COLOUR, der zwischen dem >impulsiven Erlebnisleser< und dem >emotionalen Sinnleser< angesiedelt ist, vertritt die Farben ROT und GELB. Förster verspricht dem Leser im Vorwort: >Mit nur wenig Übung lernen Sie, mit vier Buntstiften Brieftexte zu analysieren und erfahren schnell, mit welchen Wörtern Sie bei wem ins Schwarze treffen und ob hinter dem Absender BRUTUS oder COLOUR steht.< Und weiter: >Plötzlich korrigieren Sie Briefe so: Schreibe anfangs ein bisschen mehr Blau und kürze das Gelb in der Mitte. Streiche das Grün und gib viel Rot am Ende dazu. Es macht ausgesprochen Spaß, sich positiv aus dem Einheitsbrei der Schriftkunst mit 4-Farben-Briefen abzuheben.< Der Autor ist sich im Klaren darüber, dass mit diesen vier Kategorien nicht alle Funktionen der Geschäftskorrespondenz erfasst sind. Er habe sich lediglich zugunsten von mehr Verständlichkeit für die >4-Farb-Mailings< entschieden. Aber blaue Wörter, gelbe Briefe, grüne Leser und rote Absender stiften dennoch etwas Verwirrung. Hier möchte man dem Autor mit seinen eigenen Worten antworten: Im Buch dominiert Gelb. Mehr Blau und ein bisschen mehr Grün wären wünschenswert gewesen, um einen Regenbogen entstehen zu lassen. Mit dem Farben-Firlefanz will Förster nichts anderes verdeutlichen, als dass es unterschiedliche Erwartungen an Texte gibt: Information (Zahlen, Daten, Fakten), Kontakt (Sympathien, Emotionen, Herz), Erlebnis (Visionen, Ideen, Begeisterung) und Garantie (Nachweise, Traditionen, Ordnung). Vielleicht wird das Sprachgefühl geschärft, wenn man, wie der Autor vorschlägt, mit Buntstiften Texte subjektiv bewertet. Mehr Sorgfalt bei der Formulierung und ein Blick in ein Synonymwörterbuch reichen manchmal aber schon aus. Förster hat ein Anliegen, das trotz der übertriebenen Farbenspielerei jeder ernst nehmen sollte. Er will im Umgang mit der Sprache gegen Einfallslosigkeit und Sprachohnmacht sensibilisieren. PR-Verantwortliche erhalten ab Seite 102 konkrete Anregungen, eine Briefkultur zu etablieren oder auszubauen und in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen Stilrichtlinien, Korrespondenz-Empfehlungen, Wörterbücher und Formulierungshilfen für die eigene Organisation zu erarbeiten. Lohnend sind deswegen die 1.300 Beispielsätze und die zahlreichen Musterbriefe an Kunden. Peinlich ist allerdings, wenn Autor und Verlag ihre gegensätzlichen Meinungen im Buch kundtun. Während sich Förster auf Seite 72 gegen das Wort >verbleiben< in der Korrespondenz richtet, weil es nichtssagend sei, lesen wir gleich danach in Klammern die Erwiderung des Verlages, der sich offenkundig in Etymologie besser auskennt: >Auch heute signalisiert das verbleiben, das der Schreiber in Kontakt verbleibt, d. h. zur weiteren Verfügung steht.< Vielleicht hätten sich beide vorher einigen sollen. Thomas Mavridis In: PR-Guide 4/2001
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