|
||||||||||||
|
|
Bienzle in der ApothekeWenn Kommissar Bienzle sonntags in die Apotheke muss, liegt entweder Lebensgefährtin Hannelore darnieder oder ein Mord vor. Doch - so viel sei schon verraten - die Apotheke ist nicht der Tatort und Hannelore wohlauf. Im 16. ARD-Tatort ("Bienzle und der süße Tod") gilt es für den schwäbischen Columbo, in der Apotheke ein paar wichtige Dinge zu klären. Der Autor und "Bienzle-Vater" Felix Huby hatte dem Drehbuch eine Apotheke in Stuttgart verordnet. Der Südwestrundfunk (SWR) fragte darauf hin die Apothekerin Ulrike Weiss, ob in ihrer Apotheke am Eugensplatz gedreht werden könne. Ulrike Weiss und ihr Apotheken-Team ließen sich gerne auf dieses Abenteuer ein. Sie hatten sich auf Betriebsamkeit vorbereitet, bevor sie dem SWR zu dessen Sonntagsdienst die Apotheke öffneten. Die folgende Vereinnahmung durch eine nicht näher bestimmbare Zahl von Menschen überrollte die Apotheke dann doch. Es herrschte Belagerungszustand. Mit etwa 20 Fahrzeugen besetzte der Wagentross des SWR die schon Tage zuvor weiträumig abgesperrten Parkplätze rund um die Apotheke. Im Nu waren auch sämtliche Räume der Apotheke gefüllt. Während der Dreharbeiten konnten Ulrike Weiss und ihre Kollegin Uta Springer fachlichen Rat geben. Der weiße Kittel der Apothekerin-Darstellerin Ursula Maria Schmitz, die im Film Sonja Brandstätter heißt, schien ihnen zu altbacken, der Umgang mit Arzneimitteln zu leichtfertig. Nebenbei war auch praktische Hilfe vonnöten, nämlich die Erstversorgung mit Salbeibonbons, denn das Fernsehteam, seit Tagen im Dauerstress, hatte bei dem November-Wetter Kränkelnde in den Reihen. Die Sätze "Ich wüsste nicht, was Sie das angeht" oder "Wenn Sie's unbedingt wissen wollen, nein, ich habe keinen neuen Partner" wurden für die beiden echten Kolleginnen unvergesslich; weniger wegen des Inhalts als infolge der ständigen Wiederholungen. Sieben Mal hatte schon eine junge Frau, eine Komparsin, aus der Apotheke heraus kommen müssen - ein Vorgeschmack auf die Dauer der Dreharbeiten im Inneren der Apotheke. 33 Strich 2 die zweite... 39 Strich 3 die erste... Ton ab, läuft..., immer wieder. Endlich war der Regisseur zufrieden, und Bienzle durfte in der danach folgenden Szene die Apotheke zufrieden verlassen. Kein Actionheld, eher "ein verhockter Schwabe", so charakterisiert Ernst Bienzle sich selbst. Im Stuttgarter Raum verwurzelt, ist er ein profunder Kenner der schwäbischen Volksseele mit ihren Schrullen und Untiefen. Er besieht sich die Fakten in aller Ruhe, gerne bei einem Glas Trollinger mit Lemberger, und lässt sich weder von ungeduldigen Vorgesetzten noch von den Drohungen der Verdächtigen aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Gelassenheit ist seine Stärke, birgt aber im Privatleben die Gefahr, für Gleichgültigkeit gehalten zu werden. Bienzle ist kein Mann von Gefühlsausbrüchen. Er lässt sich nicht irreführen von vordergründigen Augenscheinlichkeiten, sondern beobachtet gründlich die Menschen in ihren Lebensverhältnissen und entwickelt so ein Gespür für die tieferliegenden Wahrheiten eines Falles. Seit 1991 ermittelt Ernst Bienzle zuerst für den SDR, nach der Fusion von SDR und SWF für den SWR, und genauso lange arbeitet er mit Günter Gächter (Rüdiger Wandel) zusammen, manchmal allerdings auch an ihm vorbei. Gächter ist inzwischen selbst Kommissar, Bienzle aber kann es nicht lassen, ihn von Zeit zu Zeit als bloßen Assistenten zu behandeln. Als Bienzles Mitarbeiter muss man sich damit abfinden, häufig erst spät in dessen Gedankengänge eingeweiht zu werden. Bienzle-Darsteller Dietz-Werner Steck war 36 Jahre lang festes Ensemblemitglied am Staatstheater Stuttgart und spielte Charakterrollen, bevor er 1996 als 60jähriger in die freie Schauspielerexistenz wechselte. Seitdem ist er vorwiegend für das Fernsehen tätig und übernimmt gelegentlich Gastrollen im Theater. Auf der Theaterbühne wurde Steck als Alter Ego für Hauptkommissar Bienzle entdeckt. Seit 1992 ist er aufs engste mit der Tatort-Figur, die ihm auch charakterlich nahe steht, verbunden. Links zum Thema Bücher zum Thema Bienzle und die letzte Beichte Bienzle und die schöne Lau / Bienzle und das Narrenspiel Der Heckenschütze. Peter Heilands erster Fall Besonderes Engagement
|
|
||||||||||