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MEDIENARBEIT IN ECHTZEIT

Social Media ist in aller Munde.Trotzdem wissen die wenigsten, wie sie dieses Thema gewinnbringend nutzen können. Die einen stürzen sich entweder in blinden Aktionismus oder lassen Phantasielosigkeit walten. Die anderen sind untätig oder ratlos. Dabei sollten sich nicht nur Kommunikationsexperten ernsthaft mit den aktuellen Strukturen und dem neuen Arbeitstempo auseinandersetzen, das „Medienarbeit in Echtzeit“ heißt.

Denkanstöße gibt ein Blog, der anlässlich meines gleichnamigen Seminars im Sommersemester 2010 an der Universität Bamberg entstanden ist. Mittlerweile schreiben hier nicht mehr nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars, sondern auch zahlreiche Gastautorinnen und -autoren aus Wissenschaft und Praxis. Sie klären, unter welchen Voraussetzungen der Paradigmenwechsel geschieht, warum die herkömmliche Konzeptionsmethodik oft nicht mehr genügt und welche Strategien in der neuen Medienrealität Erfolge versprechen.

Nicht übersehen darf man dabei, welche klassischen Instrumente in der Kommunikation weiterhin eine bedeutende Rolle spielen und warum Erfolgskontrolle auch zum strategischen Gestaltungsfaktor der Medienarbeit 2.0 wird.

Zum Blog „PR im Wandel“ > http://pr-im-wandel.posterous.com
Investor-Relations-Kommunikation im Wandel – Aktiv statt passiv im Social Web

Der Einsatz von Social Media in der Investor-Relations-Kommunikation von Aktiengesellschaften ist mit überschaubarem Aufwand und Risiko möglich. In der Praxis können einzelne Zielgruppen sogar besonders effektiv angesprochen werden. Dies sind Haupterkenntnisse der Untersuchung "Social Media in den Investor Relations - Funktionen, Zielgruppen, Kosten-Nutzen-Betrachtungen", die am 20. Februar im Verlag Dr. Köster veröffentlicht wird.

Social-Media- Anwendungen eignen sich eindeutig dazu, die Kommunikation in den Investor Relations zu optimieren. Richtig angewendet werden die Sozialen Medien dabei insbesondere dem vom Deutschen Investor Relations Verband (DIRK) geforderten Grundsatz der Gleichbehandlung aller Kapitalmarktteilnehmer gerecht. Einer Befragung des Verbandes zufolge besitzen die Social-Media-Aktivitäten als Bestandteil der Investor-Relations-Kommunikation heute für mehr als 45 Prozent der börsennotierten Unternehmen eine wichtige Bedeutung. Es besteht derzeit jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und praktischer Umsetzung.

Längst überfälliger Handlungsbedarf in der IR2.0-Kommunikation

Wie aktuelle empirische Erhebungen zeigen, ist die Furcht vor dem Ressourcenaufwand, bedingt durch die notwendige Aktualität der Kanäle sowie vor Kontrollverlust und rechtlichen Unsicherheiten groß. Laut Autor besteht in diesem eher konservativen Kommunikationsbereich erheblicher Nachholbedarf: "Entwicklungen die Unternehmensbereiche wie Marketing, PR oder Customer Service bereits vor etwa zwei Jahren durchgemacht haben, beginnen in den meisten IR-Abteilungen erst jetzt", erklärt Andreas Köster.

Praxis-Check: Social Media in den Investor Relations

Die häufig undifferenzierte Diskussion über Potenziale und Risiken sowie Kosten und Nutzen von Social Media in den Investor Relations wird durch sein Fachbuch auf eine fundierte Argumentationsbasis gestellt, indem es erstmalig auf Basis aktueller Studien den Eignungsgrad unterschiedlicher Plattformen für die Zielgruppen der Investor Relations darlegt. Demnach eignen sich Social-Media-Anwendungen gut für die Informationen und den Dialog mit privaten Investoren und Wirtschaftsjournalisten, weniger hingegen für die Kommunikation mit institutionellen Investoren.

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Risiken aktiv minimieren

Die Skepsis der Unternehmen, sich in diesen sensiblen Kommunikationskanälen zu engagieren, ist nicht unangebracht. Dennoch darf dies nicht zu einer Schockstarre unter IR-Managern führen. "Der kommunikative Kontrollverlust ist bereits Realität, unabhängig von einer aktiven Beteiligung der Unternehmen im Social Web. Risiken entstehen heute vielmehr durch einen mangelnden Überblick, welche Nutzer und Investoren in welchen Foren und Communities wie über das Unternehmen diskutieren", so Köster. In der Tat kann mangelnde Medienkompetenz oder fehlende Erfahrung im Social Web schnell ein Risiko darstellen. Das Fachbuch zeigt nicht nur unterschiedliche Formen der Risiken auf, sondern gibt auch Hinweise darauf, wie diese durch eine strategische Integration von Social Media in die Unternehmenskommunikation minimiert werden können. Darüber hinaus werden Beispiele gegeben, wie erfolgreiche Unternehmen damit umzugehen wissen.

Bedeutung der Social-Media-Governance

"Bevor Unternehmen in den Social Media erfolgreich sein können, müssen sie sich intern zeitgemäß formieren. Das Thema Social-Media-Governance ist dabei ein entscheidender Faktor", weiß Thorsten Greiten, Geschäftsführer der Kölner Unternehmensberatung NetFederation und Herausgeber der Untersuchung. Er rät insbesondere zur Vorsicht, im Fall von Unternehmen, die noch mit stark voneinander separierten Kommunikationsbereichen agieren. "Unternehmen können extern nur so professionell und zeitnah kommunizieren, wie sie dies intern können. Zudem sind sie gut beraten, vor einem Social-Media-Engagement einen tadellosen Online-Investor-Relations- Auftritt aufzubauen. Die Corporate Website ist auch im Social Web das Leitmedium", so der Online-Kommunikationsexperte.

Das Fachbuch von Andreas Köster gibt praktische Tipps und Entscheidungshilfen für den erfolgreichen Start in die IR2.0-Kommunikation.

Buch: Social Media in den Investor Relations - Funktionen, Zielgruppen, Kosten-Nutzen-Betrachtungen, Jahr: 2012, Seiten: 178, Übersichten und Farbgrafiken, 29,80 €, ISBN: 9783895747854

Über den Autor:
Andreas Köster (M.A.) hat nach der Ausbildung zum IT-Systemelektroniker Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin studiert und war Vorstandsvorsitzender des Vereins zur Förderung der Wirtschaftskommunikation. Heute arbeitet er für die Business Intelligence Group (BIG) im Bereich Social-Media-Monitoring.

Über die Herausgeber:
Dipl.-Betriebswirt (FH) Christian Berens (38) studierte BWL an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg mit den Schwerpunkten Marketing, Personal und Wirtschaftsinformatik und ist seit 2004 Geschäftsführer von NetFederation. Dipl.- Kaufmann Thorsten Greiten (38) studierte BWL mit den Schwerpunkten Steuerlehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim. Er ist ebenfalls Geschäftsführer von NetFederation und fachlich verantwortlich für den Bereich der Online Finanzkommunikation.

Über den Verlag Dr. Köster:
Der Verlag Dr. Köster wurde 1994 von Dr. Hans-Joachim Köster in Berlin gegründet und veröffentlicht wissenschaftliche Schriften. Verlagsschwerpunkte sind unter anderem die renommierten Buchreihen zur Sicherheitspolitik, Zeitgeschichte und zu geheimen Nachrichtendiensten. Neben diesen Themen stehen Fragen der Wirtschaftswissenschaften im Mittelpunkt.

 

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Empathie in der PR: Mehr Einfühlungsvermögen ist gefragt

Bartel
   "Guten Tag! Wie geht es Ihnen?"

Wer diesen Satz nur als leere Floskel benutzt, dem wird auch die Antwort darauf herzlich egal sein. Empathische Menschen aber schöpfen aus der jeweiligen Reaktion sehr viel mehr: Sie möchten ihr weiteres Gespräch ganz bewusst auf die Befindlichkeit ihres Gegenübers ausrichten. Aber warum?

Empathie, so heißt es in dem Buch "Gehirnflüsterer" von Kevin Dutton, "ist die Fähigkeit, eine Botschaft an den Adressaten anzupassen und dadurch ihre Wirkung zu maximieren". Das ist keineswegs verwerflich: Sogar Kirchen, Parteien und Interessengruppen nehmen dies für sich in Anspruch, indem sie gern und lautstark betonen, mit ihren Ideen und Programmen "die Menschen genau dort abzuholen, wo sie sind". Doch was bedeutet das genau?

Je mehr ich über Zielgruppen/Stakeholder/Bezugsgruppen weiß oder in Erfahrung bringen kann (und will!), desto besser gelingt es, Gemeinsamkeiten und damit Anknüpfungspunkte für zielgerichtete Kommunikation zu finden. "Denn Überzeugungsarbeit fällt umso leichter, je weniger die angesprochene Person ihre Meinung ändern muss", so Autor Kevin Dutton. Doch was so simpel und logisch klingt, wird in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit viel zu selten genutzt. Stattdessen haben sich durch die leichten Verbreitungsmöglichkeiten über das Internet die sinnlosen verbalen Trommelfeuer noch verstärkt, in denen es zuvorderst um die plumpe Selbstdarstellung der Absender zu gehen scheint.

 

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Empathie in der PR: Mehr Einfühlungsvermögen ist gefragt (Foto: ICF-PR)

 

Doch Botschaften sollen vor allem bei ihren Empfängern 'richtig' ankommen und bestenfalls 'unter die Haut gehen', um zu den gewünschten Reaktionen zu führen. Es kommt daher insbesondere auf eine interessante und fesselnde Erzählung bzw. Einbettung der eigentlichen Nachricht an. Anlass, Stil, Wortwahl, Überschriften und Zitate sind nur einige wenige, wenngleich sehr elementare Bestandteile, um mit einer Botschaft Menschen zu berühren und die entsprechend 'richtigen' Bilder bzw. Assoziationen in den Köpfen der Adressaten entstehen zu lassen (sofern diese nicht gleich verstärkend zum Thema mitgeliefert werden können).

Mit anderen Worten: Der zunehmende Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit wird der PR-Praxis ein stärkeres 'Informations-Marketing' abverlangen, das noch näher an die Interessen der Zielgruppen heranrückt und von Empathie getragen wird: Nicht umsonst zieht ein so genanntes 'Nachrichten'-Medium wie die BILD-Zeitung jeden Tag ein Millionenpublikum emotional in seinen Bann.

Thomas Bartel

Thomas Bartel, gelernter Banker und Journalist, war viele Jahre in leitender Funktion für die Unternehmenskommunikation einer großen Bank tätig. Seit mehr als zwanzig Jahren ist er mit seiner Agentur ICF Public Relations-Consulting, Hamburg, in der Kommunikationsberatung mit Schwerpunkt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

 

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Die größte Herausforderung für Social Media: Ungleichheit der Beteiligung

Social Media werden oft mit nutzergenerierten Inhalten (User Generated Content oder UGC) gleichgesetzt, als ob jeder, der Social Media nutzt, auch Inhalte kreieren würde. Aber, auch wenn tatsächlich jeder Nutzer Inhalte erzeugen könnte, tun es doch in der Realität nur sehr wenige.

Sozialwissenschaftler haben dieses Phänomen schon seit Anfang der 90er-Jahre beobachtet. Sie nennen es Ungleichheit der Beteiligung ("participation inequality"). Jakob Nielsen, der bekannte Experte für Benutzerfreundlichkeit (Usability), hat 2006 darauf hingewiesen, dass das bisher durch jede Studie zu Online-Communities bestätigt wurde. Nach Nielsen lässt sich die Nutzerbeteiligung mehr oder weniger genau durch eine 90-9-1-Regel beschreiben:

 

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Source: Jakob Nielsen on participation inequality

 

"90% der Nutzer sind stille Beobachter ("lurkers") (d.h. sie lesen, schauen zu, aber tragen nichts bei)

9%
tragen von Zeit zu Zeit etwas bei, haben aber sonst andere Prioritäten

1%
der Nutzer beteiligt sich viel und bringt die meisten Beiträge hervor: dabei kann es so aussehen, als hätten sie sonst kein Leben, weil sie Ereignisse oft schon innerhalb von Minuten kommentieren."


Diese Ungleichheit der Beteiligung stellt für Social Media in der Unternehmenskommunikation die größte Herausforderung dar, weil sie die Ideen von Crowdsourcing und Meinungsanalyse ("opinion mining") untergraben. Wenn nur 1 + 9 % der Nutzer Inhalte beitragen, ist es fraglich, ob sie repräsentativ für die Mehrheit sind. Daher kann es gefährlich sein, sich nur auf ihre Meinungen zu verlassen. Man denke nur an Produktrezensionen, auf die ein Verbraucher seine Kaufentscheidung gründet, oder an Kundenfeedback, das ein Unternehmen zur Verbesserung von Produkten veranlasst.

Soweit ich sehe, ergeben sich daraus für Unternehmenskommunikatoren zwei Aufgaben. Wir müssen die 1 + 9 % der Beitragenden identifizieren und verstehen, weil sie den Online-Meinungsmarkt beeinflussen. Und wir müssen Wege finden, um die schweigende Mehrheit zu aktivieren.

Dr. Georg Kolb

Dr. Georg Kolb arbeitet seit über zwei Jahrzehnten in Kommunikation und Marketing. Er hat Unternehmen wie Ford, Heidrick & Struggles, IBM, Manpower und Siemens beraten. Neben seiner Kundenarbeit hatte er auch Lehraufträge für PR im Internet an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing und für internationale PR an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er twittert unter http://twitter.com/GeorgKolb und schreibt ein Blog zur Unternehmenskommunikation: http://ccc.georgkolb.com. Dieser Post erschien ursprünglich englischsprachig auf seinem Blog corporate communication compass.


 

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"Newsjack here!" – Warum Mobile PR und Issues Management immer wichtiger werden

Immer mehr Menschen nutzen Webseiten, Blogs und soziale Netzwerke unterwegs, im Café, in der U-Bahn oder auf dem Flughafen. Seitdem es immer mehr Smartphones und Tablets gibt, hat sich die Bedeutung des Internets als Massenmedium wesentlich erhöht, vor allem als Nachrichten- und Informationsquelle.

Journalisten sehen sich mit der Post-PC Ära ebenso konfrontiert wie PR-Schaffende. Für Verantwortliche in PR-Agenturen und Pressestellen stehen "Mobile PR" und "Apps" derzeit nicht von ungefähr in den Top 5 der Trendthemen.

Diese Entwicklungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Medienarbeit. "The traditional PR model - sticking closely to a preset script and campaign timeline - no longer works the way it used to", charakterisiert David Meerman Scott die veränderten Rahmenbedingungen des Kommunikationsmanagements und empfiehlt "Newsjacking" als neue PR-Technik. Ausgehend von einem idealtypischen Lebenszyklus einer Nachrichtenstory, zeigt Scott auf, wann der richtige Zeitpunkt ist, sich selbst erfolgreich in eine Diskussion einzuschalten.

 

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Der Begriff "Newsjacking" mag negative Assoziationen mit "Hijacking" wecken und ist mit Sicherheit per se keine „Wunderwaffe“. Er weist aber auf einen wichtigen Sachverhalt hin. Wie beim Issues Management, das als Begriff übrigens schon vor fast vierzig Jahren eingeführt wurde, ist auch beim Newsjacking das frühzeitige Erkennen eines relevanten Themas und die angemessene Reaktion ausschlaggebend. Neu ist die stark erhöhte Geschwindigkeit, mit der das passiert.

 

Newsjack


Die Geschwindigkeit, aber auch das bereits erwähnte Verhältnis von stationärer zu mobiler Internetnutzung gilt es im Komunikationsmanagement nun stärker zu berücksichtigen. Denn spätestens im Jahr 2014 werden weltweit mehr Menschen mobil ins Internet gehen als von einem PC aus.

Wie man sein Kommunikationsverhalten auf die geänderten Verhältnisse abstimmt, beschreibt Scott in fünf Punkten:

  1. Benutzerfreundliche mobile Webdesigns für die eigene Seite zu kreieren und diese in mobilen Suchmaschinen zu indizieren, damit der Inhalt über mobile Endgeräte auch gefunden werden kann.
  2. Keywords einem Monitoring zu unterziehen, um topaktuell über News und Trends aus der eigenen Branche informiert zu sein.
  3. Geänderte Rahmenbedingungen in der eigenen Branche mitzuverfolgen, sodass diese in Echtzeit kommentiert werden können.
  4. Sobald eine relevante Meldung aufkommt, Content zu schaffen und den Inhalt in Echtzeit im Blog, bei Twitter oder via Media Alert zu kommentieren.
  5. Die moderne Version der guten alten Pressemappe einzuführen: eine App mit Feeds für Journalisten, die neben Pressemitteilungen Blogeinträge, Videos und Twitter-Feeds enthält.

Aber Obacht! Wie in der klassischen PR-Arbeit, bei der noch immer täglich das E-Mail-Postfach der Redakteure mit Pressemitteilungen geflutet und zugemüllt wird, besteht auch bei den neuen Technologien die Gefahr, sich mit Endlos-Feeds zum Spammer zu machen oder mit belanglosen Kommentaren online zu gehen, die bestenfalls das große Gähnen hervorrufen.

Typische Kriterien für erfolgreiches Newsjacking bleiben - jeweils in Bezug auf die Organisation oder Person - Dringlichkeit, Wirkung und Beeinflussbarkeit von Issues. Erfolgreiche PR-Arbeit erfordert schon immer gute Stories und ein optimales Themenmanagement. Daher darf auch die eigene aktive Rolle nicht ignoriert werden. Es genügt einfach nicht, frühzeitig auf einen rollenden Zug mit aufzuspringen. Eigene Themen zu finden, bleibt ebenso wichtig.

Ausgeblendet wird bei diesem Ansatz auch der direkte Kontakt mit weiteren Stakeholdern, der durch Social Media immer wichtiger geworden ist. Gerade diesen sollte man keinesfalls aus den Augen verlieren. Es geht jetzt nicht mehr allein 'nur' um Media Coverage.

Thomas Mavridis
Berater und Dozent

 

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Webmonitoring bietet noch viel Spielraum

Seismografische Instrumente sind essentiell im Kommunikationsmanagement, Online-Monitoring-Systeme etwa, die auswerten, welche Diskurse über spezielle Themen, Unternehmen, Marken, Meinungen, Wettbewerber und Personen laufen und die deren Tonalität einschätzen. Die Fähigkeit, schnell und kompetent auf aktuelle Diskurse zu reagieren, ist im Umgang mit Zielgruppen und Stakeholder erfolgsentscheidend, besonders im Social Media Monitoring.

Professionelles Webmonitoring ist in Unternehmen aber nicht selbstverständlich. Mehr als jede fünfte Pressestelle verzichtet noch komplett auf ein Monitoring. Das ergab eine Online-Befragung von 2.570 Fach- und Führungskräften aus PR-Agenturen und Pressestellen verschiedener Unternehmen.

Webmonitoring

Quelle: news aktuell GmbH

 Medienresonanz ist die herausragende Motivation für regelmäßiges Monitoring. Jede dritte Pressestelle gibt an, Internetbeobachtung auch im Zusammenhang mit Krisen-PR zu nutzen. Ebenso viele sichten das World Wide Web, um den Wettbewerb im Auge zu behalten. Auf den weiteren Plätzen folgen Trend- und Innovationsmanagement, Kampagnen-Management und Social Media Optimization.

 

 

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Marketing im Wandel

Die Rolle des Konsumenten hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Er ist keine isolierte Einzelperson mehr, sondern mit anderen vernetzt. Bei seiner Entscheidung ist er gut informiert und beteiligt sich gerne aktiv an der Entwicklung neuer Produkte. Dieser Sachverhalt kann als Anstoß zur Entwicklung von Marketing 3.0 angesehen werden.

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In ihrem Buch veranschaulichen die Autoren Philip Kotler, Hermawan Kartajaya und Iwan Setiawan die grundlegenden Veränderungen, die nach ihrer Ansicht das Marketing der Zukunft beeinflussen. Der Kunde wird als Mensch mit Werten und Visionen angesehen, der angetrieben durch die technologische Entwicklung immer mehr Macht einnimmt und von den Unternehmen Verantwortung für ökologische sowie für soziale Projekte und Vertrauen gegenüber allen Konsumenten erwartet.

Vor allem das Thema Vertrauen der Konsumenten gegenüber den Unternehmen zeigt auf, dass ein Wandel stattgefunden hat. Verbraucher legen mehr Wert auf Empfehlungen anderer Kunden, und über 89% sehen Online-Kanäle als vertrauenswürdige Quellen an, wenn es um Produkt- und Servicebewertungen geht. (Kotler et al. 2010: 25).  Die Autoren gehen in ihrem Buch deutlich auf diesen Punkt ein und zeigen auf, dass in den letzten Jahren viele Unternehmen das Vertrauen ihrer Kunden verspielt haben.

Gerade durch die Finanz- und Wirtschaftskrise spielt Vertrauen eine immer wichtiger werdende Rolle. Jedoch ist es vielen Unternehmen nicht bewusst, wie schnell man Vertrauen verspielen kann und wie schwer es ist, nach einer Enttäuschung seine Kunden wieder zurückzugewinnen. Ohne Vertrauen funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Weder in privaten, noch in geschäftlichen Situationen. Werte sind die Grundlage für Vertrauen. Ein Konsument vertraut eher jemandem, der die ähnlichen oder dieselben Werte vertritt, als anderen mit abweichenden Werten. Für Unternehmen geht es heute also vor allem um die Entwicklung und Gestaltung von Werten. Denn durch den Mitgliederzuwachs in Sozialen Netzwerken wird es immer leichter, sich über die bestehenden Unternehmen zu informieren und die Erfahrungen mit Produkten auszutauschen. Wenn ein Unternehmen mit dem Vertrauen der Kunden spielt, wird es nicht lange dauern bis es jeder weiß.

Neben dem Vertrauen wird auch über die sozialen Leistungen eines Unternehmens gesprochen. Philip Kotler stellt die These auf, dass die Zukunft des Marketings soziale Unternehmen hervorbringt, die die Umwelt retten, sich für soziale Ungerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen einsetzen. Und neben all diesen Aktivitäten kommen die Gewinne nicht zu kurz. Dies klingt nach einer Vorstellung, die sich jeder wünscht. Aber ist unsere Verbrauchergeneration wirklich so sensibel für soziale Anliegen und Fragen geworden? Auf der einen Seite hat die Globalisierung den Menschen die Augen für die Probleme auf unserer Welt geöffnet. Armut und der Umweltschutz sind Themen die jedem bekannt sind. Es wird in den Medien und Sozialen Netzwerken viel über sie diskutiert. Unternehmen, die diese Themen nicht beachten oder sogar verletzen, werden schnell negativ dargestellt. Auf der anderen Seite verdrängen die Konsumenten gerne diese Probleme und stellen ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund. Sie kaufen trotzdem in Textilläden ein, in denen offensichtlich Kinderarbeit betrieben wird oder eignen sich Artikel an, die andere Menschen für Hungerlöhne herstellen. Preise stehen im Vordergrund und Verbraucher stellen sich selten die Frage nach der Herkunft des Produktes. Viele Menschen verkörpern immer noch das Bild eines „Homo oeconomicus“ und somit eines Akteurs, der nur sein Eigeninteresse und sein Wohl in den Vordergrund stellt.

Aus Sicht der Unternehmen kann der Einsatz für soziale und ökologische Probleme viele Vorteile mit sich bringen. Die Betriebe können sich von Wettbewerbern abheben und in Krisenzeiten die Ängste der Menschheit aufgreifen und sogar diejenigen dazu bewegen, die vorher nicht sensibel auf diese Problematik reagiert haben. Der Behauptung, dass die Zukunft von Marketing 3.0 bereits begonnen hat, kann aufgrund der bisherigen Entwicklung aber nur teilweise zugestimmt werden. Auf der einen Seite treiben die Menschen die Entstehung des Marketings 3.0 voran, da sie immer aktiver in Sozialen Netzwerken werden und somit immer mehr Macht auf die Unternehmen ausüben können. Auf der anderen Seite sind viele Menschen noch zu sehr mit ihren eigenen Bedürfnissen und Problemen beschäftigt, um sich einem Wandel der Gesellschaft annehmen zu können.

Natalie Prinz

Natalie Prinz studiert im dritten Semester BWL-Industrie an der Fakultät für Wirtschaft der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Ravensburg. Der Beitrag entstand aus ihrer Seminararbeit über das Buch "Die neue Dimension des Marketings" in der Vorlesung "Marketing II" von Thomas Mavridis.

 

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Trends 2012: Zwischen Social Media, Apps und klassischer Pressearbeit

Eine Online-Befragung von 2.570 Fach- und Führungskräften aus PR-Agenturen und Pressestellen verschiedener Unternehmen ergab, dass gut jeder Zweite in Social Media das Trendthema Nummer Eins in 2012 sieht (53 Prozent). PR-Verantwortliche kleinerer Unternehmen sind davon ebenso überzeugt wie Pressesprecher großer Firmen - allen voran die Vertreter aus Handel und Dienstleistung (Handel: 61 Prozent, Dienstleistung: 55 Prozent).

 

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Quelle: PR-Trendmonitor   

Auch das Thema "Pressearbeit 2.0" steht für Kommunikatoren ganz oben auf der Agenda. In dem Mix aus klassischen PR-Instrumenten und Social Media sieht die Hälfte aller befragten Pressesprecher und Agenturmitarbeiter im kommenden Jahr immer noch große Herausforderungen auf die Branche zukommen. Mehrheitlich PR-Schaffende aus Verwaltung und Verbänden bekennen sich dazu (57 Prozent).

Und noch etwas scheint für jeden dritten Kommunikationsprofis klar: Social Media allein reicht nicht aus, um in 2012 erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zu machen. "Storytelling" wird im nächsten Jahr stark in den Fokus rücken. Auf Platz vier und fünf der Trendthemen stehen "Mobile PR" und "Apps".

 

 

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Investor Relations und Social Media

Wir befinden uns im Jahre 2011 n. Chr. Die gesamte Unternehmenskommunikation ist von den Social Media besetzt... Die gesamte Unternehmenskommunikation? Nein! Eine von unbeugsamen IR-Managern bevölkerte Abteilung hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Verantwortlichen der Investor-Relation-Abteilungen deutscher Aktiengesellschaften, die sich inzwischen auf nahezu jeder Tagung anhören müssen, welch wachsende Bedeutung das Web 2.0 auch für die Finanzkommunikation besitzt.

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Die meisten Großunternehmen und Konzerne haben  die umfangreichen Potenziale der Social Media erkannt und nutzen sie beispielsweise für die Bereiche Marketing, Human Ressources sowie Forschung & Entwicklung. Das leuchtet ein, unterhalten sich doch dort permanent und öffentlich Millionen von potenziellen Kunden, zukünftigen Mitarbeitern und klugen Köpfen. Noch nicht recht durchgesetzt hat sich jedoch die Erkenntnis, dass dort auch Wirtschaftsjournalisten, Analysten, institutionelle Investoren und private Kleinanleger aktiv sind. Eine systematische Nutzung der verfügbaren Bandbreite von Social-Media-Kommunikation für die Investor Relations ist in Deutschland bislang die Ausnahme. Dabei können insbesondere Unternehmen aus den Nebenindices des DAX über Social Media online ihre Präsenz stärken, die Informationsflüsse verbessern und sogar erstmalig mit sämtlichen Stakeholdern in einen direkten Dialog eintreten.

Zugegebenermaßen ist es in der praktischen Umsetzung nicht ganz einfach, da das Buzzword „Social Media“ ein komplexes Universum an unterschiedlichsten partizipativen Plattformen mit unterschiedlichsten Funktionen darstellt. Zudem ist jedes Unternehmen einzigartig mit individuellen Ressourcen, Zielen und Anforderungen. Man muss also für jedes einzelne Unternehmen mit seiner speziellen Aktionärsbasis individuell analysieren und bewerten, welche Inhalte und Kanäle im Web 2.0 sinnvoll zu nutzen wären. Dazu hier einige konkrete Anregungen:

Private Investoren nutzen die Social Media heute in der Breite und haben in Ermangelung klassischer persönlicher Kanäle nahezu ausschließlich im Internet die Möglichkeit, sich zeitnah und umfassend über das Unternehmen zu informieren. Sie lernen das Unternehmen beispielsweise über Wikipedia und Videoplattformen wie Youtube kennen und schätzen. In spezialisierten Foren und Social Networks diskutieren sie über Unternehmen und Aktienkurse.

Institutionelle Investoren nutzen die Social Media privat zwar genau so intensiv, treten in ihrer beruflichen Funktion jedoch kaum aktiv auf. Vielmehr lesen sie passiv auf Spezialisten-Blogs und lassen sich die für sie relevanten Online-Quellen per RSS-Feed zutragen.

Wirtschaftsjournalisten werden bei ihrer Recherche nach interessanten Geschichten immer häufiger in den Social Media fündig und können sich dort auch gleich umfassend informieren. Beispielsweise auf Blogs oder Plattformen für Dokumente und Präsentationen wie SlideShare. Bei dem Microblog Twitter erhalten sie über ihr Netzwerk relevante Meldungen in Echtzeit.

Analysten ziehen ebenfalls fokussiert und eher passiv für sie relevante Informationen  aus dem Social Web. Hier sind neben Blogs und Foren in erster Linie Twitter sowie das Informationsnetzwerk StockTwits von Bedeutung, in dem kursrelevante Informationen unter Angabe eines Unternehmenskürzels geteilt und weitergeleitet werden. Besonders findige Analysten, die sich nicht mit den Pflichtveröffentlichungen zufrieden geben möchten, können in Social Networks wie Xing, LinkedIn oder Facebook aktiv recherchieren, wie es um Stimmung und Mitarbeiterfluktuation in Unternehmen und einzelnen Abteilungen bestellt ist.

Letzteres Beispiel macht deutlich, dass auch jene Unternehmen sich mit den Entwicklungen im Social Web auseinandersetzen sollten, die glauben, darin selbst noch nicht aktiv zu sein. In einem ersten Schritt wäre beispielsweise eine Ausweitung des Social-Media-Monitoring sinnvoll, um festzustellen, welche Akteure derzeit in welchen Kanälen über Investor Relations relevante Inhalte diskutieren.

Wieso leisten viele IR-Verantwortliche also noch Widerstand gegen die Social Media, obwohl ihre Kollegen in der Unternehmenskommunikation bereits durch diese profitieren? Die Investor Relations sind (zu Recht) ein sehr bedacht agierender – um nicht zu sagen konservativer – Kommunikationszweig. Zudem fehlt den Verantwortlichen häufig der persönliche Bezug zu den so radikal verschiedenen Social Media. Wenn sie sich diesen jedoch öffnen und einige Plattformen selbst aktiv ausprobieren und deren Funktionen kennen lernen, werden ihnen die praktischen Nutzungsmöglichkeiten für die Finanzkommunikation vermutlich wie selbstverständlich einleuchten.

Andreas Köster

Andreas Köster hat Wirtschaftskommunikation an der HTW Berlin studiert und arbeitet für die Business Intelligence Group in Berlin. Als @koesteran twittert er über Monitoring, Social Media und Investor Relations. www.online-investorrelations.de  ist sein aktueller Blog.

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Kontrolle, Kontrollverlust und Corporate Identity

54,9 Prozent der Kommunikationsverantwortlichen in Unternehmen und Behörden scheuen den Einsatz von Social Media aus Angst vor Kontrollverlust. Eine Zahl aus der Social Media Governance Studie 2011, die in dieser Höhe vielleicht überrascht. Bleibt die Frage, was denn nun hinter dieser Angst vor dem Kontrollverlust steckt? Zumal der Terminus „Kontrollverlust“ nicht weiter definiert wird. Dadurch bleibt die Angst vor dem Kontrollverlust erst einmal so diffus wie die Angst vor der Dunkelheit. Eigentlich weiß man nicht so genau, wo vor man Angst hat. Kontrolle kann man aber nur dort verlieren, wo man sie (vermeintlich) hat. Und schaut man sich in dieser Hinsicht die Art an, wie in vielen Unternehmen Kommunikation organisiert ist, dann stößt man schnell auf einen umfassenden Kontroll- und Freigabeprozess für alle Text-, Ton und Bilddokumente. Erst wenn alles bis zum letzten i-Punkt der Corporate Identity entspricht, erfolgt die Freigabe.

Dahinter verbirgt sich aber nicht selten ein falsches Verständnis von Corporate Identity. Corporate Identity wird dabei auf den Claim und das Corporate Design reduziert. Wer schon einmal eine Presseinformation abgestimmt hat, der weiß, wie sehr Unternehmen schon im Sinne einer falsch verstandenen Corporate Indentity darauf beharren können, den Unternehmensnamen in Versalien zu schreiben und den Claim am liebsten irgendwo in der Headline unterzubringen. Schließlich wurden die Unternehmen jahrzehntelang darauf getrimmt, nach außen ein möglichst einheitliches Bild abzugeben, um als Marke erkannt zu werden.


Klassisch gesehen ist Kommunikation Kontrolle

Wie weit die Versuche gehen können, die Kommunikation unter Kontrolle zu halten, zeigt eine Recherche des Magazins Zapp im Rahmen der Internationalen Automobilausstellung. Letztlich sind schon Journalisten aus dem Blickwinkel der klassischen Kommunikation einer der wenigen Unsicherheitsfaktoren, welche das Markenbild von Produkt oder Unternehmen beeinflussen können. Allerdings ist die Schar der für ein Unternehmen relevanten Journalisten meist überschaubar. Zudem bewegt sich die Kommunikation mit Journalisten in festgelegten und seit langem tradierten Rollen. Alle weiteren Inhalte, die Unternehmen verbreiten, finden sich ansonsten im Regelfall in Owned-Medien oder Paid-Medien wieder, bei denen die Kontrolle über den Inhalt nicht abgegeben wird. Keine Gefahr im Verzug also, und auch kein Grund, Angst vor etwas zu haben.

Und dann ist da das dunkle schwarze Loch Social Media. Und auf einmal stellt man fest, dass bei der Betrachtung eines fehlt: Der Empfänger der frohen Unternehmensbotschaft. Der konnte bislang auch recht stiefmütterlich behandelt werden, denn er war ja nichts anderes als bloßer Empfänger, auf den die gesendeten Inhalte irgendwie wirken. Sagen konnte er dazu nichts, denn ein Rückkanal fehlte. Eben an dieser Stelle fängt das Unbehagen und die Angst vor Kontrollverlust an. Denn plötzlich ist der Kunde nicht mehr nur in der grauen Masse der Zielgruppe versteckt, sondern ein Individuum mit einer Stimme.


Von der Zielgruppe zum Individuum

Der Kunde wird zum Sender und kann seine Meinung, die dann auch noch von anderen Kunden wahrgenommen wird, zu Produkten und Unternehmen öffentlich kundtun. Das Unternehmen hat die Meinungshoheit über sich nicht mehr exklusiv. Eigentlich hat es die aber noch nie gehabt. Meinungen wurden schon immer über das Unternehmen ausgetauscht, nur blieben diese bislang im privaten Kreis und das Unternehmen bekam nichts davon mit. Ganz abgesehen davon, dass Unternehmen auf vielen verschiedenen Ebenen kommunizieren, die nur mäßig kontrollierbar sind und leider nur zu selten ins Blickfeld der Kommunikatoren gelangen. Marke ist mehr als Logo und Claim. So bildet sich die Marke, vom Verkaufsgespräch bis hin zu direktem Produkterlebnis, vor allem da, wo ein direkter Kontakt mit den Kunden stattfindet. Denn die Stärke einer Marke misst sich nicht zuletzt an der Loyalität ihrer Kunden. Direktes Erleben hat hier einen wesentlich intensiveren Einfluss als die Wahrnehmung von „Werbeslogans“.

Das praktizierte Zurückschrecken vor dem Einsatz von Social Media ist nun aber die schlechteste aller Lösungen und führt im Endeffekt erst zum Kontrollverlust. Denn die Kunden und Interessenten werden über das Unternehmen reden, ob es dabei ist oder nicht. In dieser Hinsicht aber von der Angst vor einem Kontrollverlust zu sprechen, ist deutlich zu hoch gegriffen. Gespräche sind nicht per se gut oder schlecht. Wahrscheinlich wird unter dem Stichwort Kontrollverlust daher auch das verstanden, was im Netz als Shitstorm bekannt ist. Schaut man sich dabei die Bedingungen an, unter denen ein Shitstorm entsteht, dann kann man daraus eine Menge lernen. Lose kategorisiert gibt es eigentlich nur zwei Ursachen von Shitstorms.


Die Angst vor dem Shitstorm

Bei der ersten Kategorie liegt die Ursachen allein in Social Media, beziehungsweise, der Art wie Unternehmen mit Social Media umgehen. Meist sind es Kampagnen, die von den Nutzern gehijackt werden, wie das bekannte Pril-Beispiel „Schmeckt lecker nach Hähnchen“.  Kann passieren und dessen muss man sich bewusst sein, denn es wird immer schwieriger, sich gegen die Intelligenz und den Ideenreichtum der Masse nach allen Seiten abzusichern. Was aber einen richtigen Shitstorm daraus werden ließ, war der Versuch von Pril, im Nachhinein die Regeln des Wettbewerbs zu verändern, so wie eine Kommunikation von oben herab. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Otto, die den Spaß mitgemacht haben und so in ihrer Zielgruppe punkten konnten.

Viel interessanter und häufiger als diese rein auf Social Media bezogenen Shitstorms sind hingegen die Shitstorms, welche ihre Ursache außerhalb von Social Media haben. Unabhängig, ob man die Greenpeace Kampagnen gegen Volkswagen und Nestlé, die Blogger-Abmahnungen von Jako und Wolfskin oder die regelmäßige Kritik an der Deutschen Bahn nimmt: die Ursache für den Shitstorm sind nicht in Social Media, sondern im Handeln der Unternehmen begründet. Social Media sind hier nur ein Katalysator für die Meinungen von Kunden und Interessenten. Und selbst hier zeigen Studien, dass Unternehmen, die proaktiv mit der Situation umgehen, besser durch die Krise kommen, als Unternehmen, die restriktiv gegen Fans und Kritiker vorgehen. Voraussetzung für eine proaktives Krisenmanagement ist allerdings ein Social Media Engagement.


Coca Cola Marketing Ziel: “…to create ideas so contagious they cannot be controlled”


Nicht nur reden, sondern auch danach handeln

Social Media ist dabei noch lange nicht das Ende der Kontrolle über Corporate Identity und Marke. Unternehmen müssen nur viel stärker als bisher alle Unternehmensprozesse an dem, was sie im Rahmen ihrer Corporate Identity sagen, ausrichten. Wer sich nachhaltige, umweltfreundliche Produkte auf die Fahne schreibt, der muss in allen Belangen des Produktionsprozesses darauf achten und danach handeln. Wer sagt, dass er kinderfreundlich ist, der muss dies bis hin zum Umgang mit seinen Mitarbeitern umsetzen. Kleine Brüche zwischen Reden und Handeln werden noch geduldet, die Vorstände des umweltfreundlichen Unternehmens können ihre SUVs also behalten, aber je größer der Bruch, desto wahrscheinlicher der Shitstorm und der Kontrollverlust in Social Media.

In diesem Sinne müssen die Kommunikationsabteilungen ihr Verständnis von Corporate Identity erweitern. Die Art, wie bislang aus den Unternehmen heraus kommuniziert wird, funktioniert so nicht mehr. Das klassische Beispiel der ins Netz gestellten Presseinformation erzeugt mehr Unmut als Kontrolle. Dabei lässt sich eine Corporate Identity durchaus kontrolliert in Social Media übertragen. Unternehmen müssen nur den Mut haben, die Inhalte entsprechend aufzubereiten. Wer nur den Slogan „Von Natur aus umweltfreundlich“ für sich beansprucht, dies aber in seiner Unternehmenskultur nicht lebt, der wird bestenfalls ignoriert. Wer es aber schafft, viele Geschichten im Kleinen und im Großen zu erzählen, welche die Umweltfreundlichkeit durch das Handeln des Unternehmens belegen, dem werden die Menschen glauben und der wird seine Marke nachhaltig stärken. Wer es darüber hinaus dann auch noch schafft, die Menschen im Rahmen von Aktionen zum Mitmachen zu bewegen, der lässt seine Marke wie im Coca Cola Beispiel erlebbar werden. Weit mehr als die standardisierten Formeln der Corporate Communication sind daher in Social Media neue offenere Kommunikationsformen wie Transmedia Storytelling gefragt.

Um es zusammenzufassen: Die Angst vor dem Einsatz von Social Media fördert den Kontrollverlust, denn die Unternehmen haben keine Möglichkeit, auf die bereits stattfindenden Gespräche zu reagieren. Ein gut geplantes Social Media Engagement gibt den Unternehmen hingegen einen Teil der Kontrolle zurück. Dazu ist es aber notwendig, Corporate Identity nicht als bloßen Kommunikationsrahmen, sondern auch als Handlungsrahmen zu verstehen. Im Gengenzug erhalten Unternehmen sogar mehr als nur die Kontrolle zurück, denn ROI kann man nicht nur als Return of Investment übersetzen, sondern auch als Return of Information wie Kunden und Interessenten denken. 

Markus Neubert

Markus Neubert ist freier Kommunikationsberater. In seinem Blog TotterturmPR schreibt er über Kommunikation, Social Media und klassische PR. Im Netz findet man ihn auch auf Facebook, bei Twitter und Google+.
 

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Globale vs. lokale Social-Media-Strategie. Nationale Nutzungsmuster als Herausforderung

Ob Facebook, Twitter, Wikipedia oder YouTube – die Mehrheit der erfolgreichsten Social-Media-Plattformen ist international angelegt. So wird das soziale Netzwerk Facebook heute in fast jedem Land der Welt genutzt und die Online-Enzyklopädie Wikipedia verzeichnet Artikel in bereits rund 260 Sprachen. Scheinbar optimale Bedingungen für eine global angelegte PR-Strategie. Doch bei Social-Media-Nutzern handelt es sich keineswegs um eine international homogene Öffentlichkeit. Eine aktuelle Studie (Studiendetails siehe unten) zeigt, dass Social Media in verschiedenen nationalen bzw. kulturellen Kontexten durchaus unterschiedlich genutzt werden.

Die Studie befasst sich mit den beiden europäischen Nachbarstaaten Deutschland und Frankreich, die sich nach Untersuchungen des Kulturwissenschaftlers Hofstede trotz der geographischen Nähe durch eine unterschiedliche kulturelle Prägung auszeichnen. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den nationalen Mediensystemen sowie der typischen Mediennutzung wider. Während z. B. Zeitschriften in Frankreich mit einer Reichweite von 81% zu den beliebtesten Medien zählen, spielen diese in Deutschland mit 17% nur eine untergeordnete Rolle (Miège 2009: S. 309, 311; Ridder & Engel 2005: S. 426). Ein gegenteiliges Bild zeigt sich bei den Tageszeitungen, die in Deutschland mit 73% eine weitaus höhere Reichweite aufweisen als in Frankreich (42%) (World Press Trends 2008).

Auch Social Media zeichnen sich durch spezifische nationale Nutzungsgewohnheiten aus. Während die Art und Häufigkeit des Internetzugangs in Deutschland und Frankreich vergleichbar ist, zeigen sich französische Nutzer offener hinsichtlich der gesamten Bandbreite des Social Webs. Die deutschen Befragten beschränken sich weitgehend auf die Nutzung von Wikis, sozialen Netzwerken und Video-Sharing-Plattformen. Zwar sind diese Anwendungen auch bei der französischen Vergleichsgruppe am beliebtesten, über ein Drittel sind jedoch zusätzlich mit Blogs, Microblogs sowie Photo-Sharing-Plattformen vertraut (siehe Abb. 1).

Grafik1
 
Französische Nutzer tendieren darüber hinaus zu einer aktiveren Nutzung im Sinne von Content-Produktion und Partizipation anstelle von reiner Content-Konsumption. Klassifiziert man die Befragten anhand der Typologie von Jers et al. (2010), weist die französische Vergleichsgruppe einen höheren Anteil an stark aktiven Nutzern auf. In der deutschen Stichprobe sind dagegen mehr passive Nutzer vertreten (siehe Abb. 2). Betrachtet man außerdem die Aktivität innerhalb einzelner Anwendungen, so zeigt sich u. a., dass französische Nutzer in sozialen Netzwerken signifikant häufiger Beiträge kommentieren als dies bei deutschen Nutzern der Fall ist.

Grafik2

 
Für die PR empfiehlt sich daher eine Anpassung der Social-Media-Strategie an nationale Nutzungsmuster. In Deutschland verspricht z. B. eine Konzentration auf die wenigen reichweitenstarken Anwendungen sowie eine tendenziell informationsorientierte Strategie Erfolg. Französische Zielgruppen lassen sich dagegen eher über ein in vielen Social-Media-Anwendungen implementiertes, stärker dialogorientiertes Konzept erreichen.
Die Notwendigkeit kultureller Anpassungen lässt sich auch für andere Länder vermuten. Global angelegte, einheitliche Social-Media-Strategien werden den spezifischen nationalen Nutzungsgewohnheiten daher nicht gerecht. Erfolgsversprechend sind stattdessen lokale Strategien auf Basis einer eingehenden Analyse der nationalen Nutzungsmuster.

Studiendetails:
Internet-affine Grundgesamtheit: Studenten der BWL zwischen 20 und 29 Jahren
Stichprobe: 100 Studenten (49,5% deutscher Nationalität, 50,5% französischer Nationalität)
Erhebungszeitraum: 28.06.-08.08.2010
Methode: Standardisierte Webbefragung

Weitere Informationen zur Studie sind über die Autorin erhältlich.

Quellen:
Miège, B. (2009): Das Mediensystem Frankreichs. In: Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg (Hrsg.): Internationales Handbuch Medien. 28. Aufl., Baden-Baden, S. 308-321.

Ridder, C. & Engel, B. (2005): Massenkommunikation 2005: Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich.  Ergebnisse der 9. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und -bewertung. In: Media Perspektiven (9), S. 422-448.

Anne Dusch
Anne Dusch ist Gründerin von Schriftsache Kommunikation. Neben ihrer Tätigkeit als Kommunikationsberaterin promoviert die studierte Journalistin und Betriebswirtin an der LMU München im Fach Kommunikationswissenschaft zu Social Media und Mediennutzung.

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Das Smartphone als praktischer Reisebegleiter

Die Tage des hilflosen Herumirrens sind für Reisende endgültig vorbei. Mobile Anwendungen – kurz Apps –  haben das Leben erheblich erleichtert. Nicht nur Reiseverlage bieten inzwischen Reise-Apps für iPhone & Co an. Auch viele Städte, Gemeinden und deren Tourismusämter folgen dem Trend der mobilen Reiseguides und haben eigene Apps mit hilfreichen Funktionen und Informationen rund um die Reise kreiert.

Die drei Bodensee-Gemeinden Rorschach, Rorschacherberg und Goldach beispielsweise informieren im mobilen Internet nicht nur Reisende über Veranstaltungen, Freizeitmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel. Auch die Einwohner profitieren von bequemen Push-Nachrichten. So geraten die Altpapier-Sammlung oder die Grünabfuhr sicher nicht mehr so leicht in Vergessenheit.

Rohrschach

Dieses Beispiel zeigt bereits: Damit eine App eine Chance hat, unter der unüberschaubaren Anzahl an Applikationen Anhänger zu finden, muss den Zielgruppen ein Mehrwert geboten werden. Eine App ist nur so gut wie das auf den jeweiligen Kunden und die entsprechende Anwendung abgestimmte Kommunikationskonzept und das fortlaufende Themenmanagement. Denn Aktualität und Genauigkeit der angebotenen Informationen werden von der Mehrheit der Nutzer als wichtigste Eigenschaften bewertet. Ähnlich relevant sind eine einfache und bedienerfreundliche Handhabung.

Die deutschen Handy-Nutzer haben im Jahr 2010 übrigens rund 900 Millionen Apps auf ihre Mobiltelefone geladen. Damit hat sich die Zahl der App-Downloads im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (plus 112 Prozent).

Thomas Mavridis
Inhaber der Agentur DIE PR-KANZLEI und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg

 

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PR im Schatten der Bewertungsportale

Hotel-bewertung

Ein brisantes Thema, das PR- und Social-Media-Verantwortliche der Hotellerie beschäftigt, sind Hotelbewertungsportale. Nachdem Insider in den Reportagen "ZDF Reporter" und "Stern TV" berichteten, dass Hotelbewertungen systematisch gefälscht werden, zeichnet sich damit ein grundlegendes Problem ab, das offenbar das Management unabhängiger Meinungen zunehmend in den Fokus der PR-Arbeit stellt.

Public Relations in der Hotellerie bedeuten schon längst nicht mehr nur das Verfassen von Pressemitteilungen und die Organisation von Pressereisen. Zwar war und ist es über die Beziehungspflege zu Journalisten möglich, Erwähnung in einem redaktionellen Beitrag zu bekommen und Einfluss auf die veröffentlichte Meinung zu nehmen; aber auch Social Media, SEO und Bewertungsportale sind zu bestimmenden Themen der Zeit geworden und die Aufgabe des PR-Managers ändert sich scheinbar dahingehend, dass es immer mehr um das Management der öffentlichen Meinung, statt um das der zu veröffentlichenden Meinung geht. Wie allgemein bekannt, ist eine unabhängige, personalisierte Bewertung bei Facebook, Tripadvisor, Holidaycheck & Co viel Wert, da sie durch Subjektivität Glaubwürdigkeit vermittelt. Was ursprünglich Hauptaufgabe der PR-Arbeit war, nämlich Vertrauen schaffen, wird von den sozialen Netzwerken immer mehr abgelöst.

Keine Frage, dass dies eine Chance für Unternehmen bietet, das eigene Image aufzubessern: auf einem legitimen Weg, z.B. über Networking im Social Media Bereich oder auf einer kritisch zu betrachtenden Weise über gefälschte Bewertungen. Auch große Unternehmen, wie Nokia oder Alster Radio, stehen im Verdacht, Facebook-Fans gekauft zu haben, was zeigt, dass der Mehrwert, der sozialen Netzwerken als erfolgsbringendes PR- und Marketinginstrument zugeschrieben wurde, strategisch untermauert wird. Die Glaubwürdigkeit der Fans und Follower, wie auch der Menschen, die Hotels über Portale bewerten, wird so in Frage gestellt.

Dass diese Vorgehensweise einiger schwarzer Schafe der gesamten Branche schaden kann, weiß auch Manfred Mayer, Vorstand der österreichischen Unternehmensgruppe ARCOTEL Hotel AG:

Wir distanzieren uns völlig von gefälschten Hotelbewertungen. Wir waren bisher sehr erfreut über die positiven Bewertungen unserer Gäste und nutzen diese auch als Teil unseres Qualitätsmanagements – für uns ist es ein Nachteil, wenn die Hotelbewertungen gefälscht werden, denn so verlieren unsere Bewertungen, auch wenn wir nie etwas manipuliert haben, an Glaubwürdigkeit.

Zu hinterfragen gilt, ob der Social Media Hype als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit nicht durch die zunehmende Beeinflussung schneller ein Ende findet, als gedacht. Denn das, was die Attraktivität für Unternehmen und User ausmacht, ist letztendlich die Unabhängigkeit, die Vertrauen aufbaut. Sobald sich der Trend mit den Manipulationen fortsetzt, wird langfristig auch das Interesse derer zurückgehen, die sich weniger für die veröffentlichte als für die öffentliche Meinung interessieren.

Jana Kaminski

Jana Kaminski arbeitet als PR & Communications Manager bei der österreichischen ARCOTEL Unternehmensgruppe in Berlin und ist für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Die Hotelgruppe ist eines der größten privaten österreichischen Unternehmen im Tourismusbereich und positioniert sich klar in der Business- und Stadthotellerie. Gegründet 1989, umfasst die Gruppe derzeit neun Hotels in Österreich, Deutschland und Kroatien mit insgesamt 1.563 Zimmern und beschäftigt aktuell 728 Mitarbeiter. 2012 wird das ARCOTEL Onyx an der Reeperbahn in Hamburg eröffnen. E-Mail: jana.kaminski@arcotelhotels.com

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»Wir wollen den Dialog mit den Stakeholdern intensivieren«

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Thomas Mavridis im Gespräch mit Uli Pecher

Ein außerordentlich hoher Anteil der führenden Banken hat entweder keine Präsenz in Social Media oder ist dort nur sporadisch aktiv. Anders die Deutsche Bank AG. Sie zeigt nicht nur eine umfassende Strategie in den sozialen Medien, sondern hat jetzt auch eine eigene Social-Media-Unit aufgebaut. Diese besteht aus vier Mitarbeitern in Frankfurt und insgesamt drei Mitarbeitern in London, New York und Singapur. Thomas Mavridis sprach darüber mit Uli Pecher, dem Global Head of Emerging & Social Media  in der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bank AG.

Thomas Mavridis: Die Deutsche Bank hat eine eigene Social Media Unit aufgebaut. Was sind die Gründe dafür?

Uli Pecher: "Emerging and Social Media- Team", so heißt unsere neue Einheit in Communications & CSR. "Emerging Media" steht dabei für alle neu aufkommenden Medienmarken und auch neuen Plattformen wie Tablet-Computer. Zu unserem Verständnis von Leistung gehört es schon immer, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Die Mediennutzung im Markt entwickelt sich langsam aber sicher von Print nach Online. Zugleich hat das Geschäftsmodell der gedruckten Anzeige seinen Höhepunkt überschritten. Und: Die Zukunft wird von Generationen geprägt werden, die mit Smartphones und Tablet-Computern aufgewachsen sind. Schon heute suchen sich immer mehr Menschen online ihre Informationen – entweder am Schreibtisch oder unterwegs. All das hat Auswirkungen auf die Kommunikation von Unternehmen, die sich diesen Entwicklungen und neuen Anforderungen anpassen müssen.

Thomas Mavridis: Was sind die Aufgaben Ihres Teams?

Uli Pecher:  Das Team hat unter anderem die Aufgabe, Themen und Inhalte zu identifizieren, aufzubereiten, über die jeweils am besten geeigneten Kanäle zu veröffentlichen – und bei Interesse auch zu diskutieren. Das ist Corporate Publishing 2.0.  Wir verfolgen dabei einen Storytelling-Ansatz und wollen Bankthemen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Und wir wollen auch neue Erzählformen einsetzen. So haben kurze Filmreportagen über Projekte unseres  gesellschaftlichen Engagements auf dem iPad oder auf YouTube natürlich eine ganz andere Tonalität als ein gedruckter Bericht. Wir wollen zudem den Dialog mit unseren Stakeholdern intensivieren. Das können Kunden, Aktionäre, Medien oder Blogger sein. Innerhalb des Teams gibt es zwei Channel-Manager. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, über Social Media das Gespräch zu suchen und den Dialog zu pflegen. Zusätzlich gibt es einen Online-Sprecher, der – wie der Pressesprecher  für die  klassischen Medien – als erster Ansprechpartner für die wichtigen Online-Medien und Blogger fungiert. Im übrigen sind alle Mitarbeiter im Team erfahrene Kommunikationsexperten, die die Bank und ihre Themen sehr genau kennen.

Der Social Media Newsroom der Deutschen Bank AG

Thomas Mavridis: Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Uli Pecher:  Das Team ist am 2. Mai 2011 gestartet. Wir haben uns für die Aufbauphase eher qualitative Ziele gesetzt. 2008 haben wir mit Flickr und YouTube begonnen, 2009 kam Twitter hinzu und 2010 schließlich Facebook. Generell haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kommunikation in Social Media ein langfristiger Prozess ist. Am Anfang dieses Prozesses sollte man zuerst einmal der Community, den Blogs und den Medien zuhören. Deshalb haben wir bereits vor zwei Jahren ein Social Media Monitoring-System aufgesetzt. Erste positive Erfahrungen mit Dialog und Agenda Setting haben wir bereits gemacht.

Thomas Mavridis: Wie gestalten Sie die Kundenkommunikation konkret?

Uli Pecher:  Sollte ein Kunde beispielsweise über Twitter oder Facebook eine Frage stellen, ist es unser  Ziel, ihm innerhalb kürzester Zeit zu antworten. Je nach Ausrichtung der Frage ziehen wir Geschäftsbereiche und/oder andere Abteilungen hinzu.

Thomas Mavridis: Die Deutsche Bank hat weltweit über 3.000 Niederlassungen, davon mehr als 2.000 in Deutschland. Werden die Niederlassungen auch regional kommunizieren?

Uli Pecher:  Wir entwickeln derzeit Richtlinien im Umgang mit Social Media, sodass es insgesamt mehr Sicherheit für alle Mitarbeiter über die Dos and Don‘t‘s gibt. Momentan arbeiten wir auch an Fragestellungen regionaler Einsatzmöglichkeiten von Social Media. Hier sind wir zurzeit noch in der Analyse-Phase.

Thomas Mavridis: Herr Pecher, vielen Dank für das Gespräch.

Über Uli Pecher
Uli Pecher,  Jahrgang, 1962, ist im Stab des Global Head of Communications & CSR in der Position des Global Head of Emerging & Social Media sowie als Chief Publications Officer tätig.  Vor seinem Wechsel zur Deutschen Bank im August 2008 war Pecher geschäftsführender Redakteur der "WirtschaftsWoche".

 

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Unterschiedliche Beziehungen zur digitalen Öffentlichkeit

Beinahe drei Jahrzehnte ist es nun her, dass James E. Grunig und Todd Hunt die vier Modelle der Public Relations formulierten:  (1.) das Publicity-Modell, (2.) das Modell der Informationstätigkeit, (3.) der einseitigen asymmetrischen Kommunikation (Überzeugungsmodell) und (4.) das Modell der zweiseitigen symmetrischen Kommunikation. Den vier Modellen von Öffentlichkeitsarbeit ordneten Grunig und Hunt in Abhängigkeit vom jeweils verfolgten Ziel unterschiedliche Formen von Kommunikation zu. Als mögliche PR-Ziele gelten hierbei: Propaganda (1. und niedrigste Entwicklungsstufe), Informationsverbreitung (2.), Überzeugen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnis (3.) und Verständigung (4. und höchste Entwicklungsstufe).

Die vier Typen können sowohl in der historischen als auch in einer aktuell-situativen Dimension gesehen werden. Haben sie aber auch in der digitalen Öffentlichkeit mit ihrer direkten Kommunikation im Internet noch Gültigkeit? In seinem Blog LeverWealth beschreibt David Phillips, wie sich die Modelle aktuell-situativ in der digitalen Kommunikation bemerkbar machen.

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Die Abbildung zeigt, dass für jedes der damals formulierten Modelle auch heute digitale Entsprechungen existieren. Zum Beispiel sind statische Internet-Seiten mit dem Publicity-Modell vergleichbar. Häufig aktualisierte Web-Seiten entsprechen dem Modell der Informationstätigkeit. Blogs mit Kommentaren sind Beispiele für das Überzeugungsmodell. Und Social-Media-Aktivitäten von Unternehmen und deren Interaktion auf Plattformen wie Facebook und Twitter verweisen auf das Modell der zweiseitigen symmetrischen Kommunikation. James E. Grunig selbst bezieht dazu eindeutig Stellung und argumentiert in einem lesenswerten Beitrag über PR und digitale Kommunikation (PDF), dass sich Kommunikationsprofis von der „illusion of control“ endlich verabschieden und sich mehr mit dem zweiseitig symmetrischen Modell auseinandersetzen sollten.

Thomas Mavridis
Inhaber der Agentur DIE PR-KANZLEI und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg

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Social Media Trendmonitor: Zwischen Hype und Hoffnung

Die gute Nachricht vorne weg: Social Media ist in Redaktionen und Unternehmen angekommen. Fast jeder zweite Journalist (44 Prozent) empfindet Social Media als "wertvolles Arbeitswerkzeug". Dies ergab der Social Media Trendmonitor 2011 "Zwischen Hype und Hoffnung: Die Nutzung sozialer Netzwerke in Journalismus und PR". 5.120 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen, Pressestellen und Redaktionen haben sich an der Untersuchung beteiligt.

Vor allem in Online-Redaktionen (61 Prozent), Nachrichtenagenturen (52 Prozent) und Rundfunksendern (50 Prozent) ist man überdurchschnittlich aufgeschlossen gegenüber Informationen aus dem Web 2.0. In Pressestellen und PR-Agenturen setzt mehr als die Hälfte aller befragten PR-Profis Social Media inzwischen im Arbeitsalltag ein (Pressestellen: 54 Prozent; PR-Agenturen: 62 Prozent).

Aber: Journalisten und PR-Fachleute haben noch immer Nachholbedarf in Sachen Social Media. Nur jede dritte Redaktion (33 Prozent) und jede vierte Pressestelle (28 Prozent) hält sich laut Studie für den Umgang mit Social Media auch "gut" bis "sehr gut" gerüstet. Hier sehen vor allem Online- Redaktionen (43 Prozent) und Nachrichtenagenturen (33 Prozent) optimistisch in die Zukunft. Weniger selbstbewusst zeigen sich dagegen Zeitschriften- und Tageszeitungsredaktionen. Nur jede fünfte unter ihnen (jeweils 21 Prozent) fühlt sich gut gewappnet im Umgang mit dem Web 2.0. In den Unternehmen attestieren vor allem Sprecher aus Handel (30 Prozent) und Dienstleistung (28 Prozent) ihren Firmen "gutes" oder sogar "sehr gutes" Rüstzeug für Social Media. Starken Nachholbedarf haben laut Studie noch immer Verwaltungen und Verbände (18 Prozent).

Hier die komprimierte Zusammenfassung der Trendmonitor-Ergebnisse als Video:

 

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Social Media im Einzelhandel: Wichtiges Zusammenspiel

Lokales Marketing erfährt durch die Digitalisierung eine völlig neue Dimension. Denkt man nur an die Suche nach Produkten im Netz, Preisvergleiche, Social Communities, E-Shopping und die Verlängerung durch das mobile Web, so bieten sich eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten für die Neukundengewinnung, Kundenbindung, Verkaufsförderung und Promotion.

Am besten gelingt lokale Kommunikation denjenigen Händlern, die sowohl online als auch offline aktiv sind. Gerade im stationären Einzelhandel sollte Social Media immer als Teil der Unternehmensstrategie und der Gesamtkommunikation verstanden werden, um das Potenzial auch voll auszuschöpfen. Offline- und Online-Maßnahmen sind eng mit einander zu verknüpfen.

Das richtige Crossmedia-Verständnis beginnt bereits bei vermeintlich ‚simplen‘ Instrumenten wie der Offline-Präsentation der Online-Aktivitäten. Weitgehend ungenutzt sind die Chancen, beispielsweise auf Social-Media-Aktivitäten in Printanzeigen, auf Tragetaschen, Aufstellern, Streuprospekten, Werbebriefen, Beilagen usw. aufmerksam zu machen.

Positive Beispiele gibt es dennoch. Als Blickfang vor den Kaufhäusern hat Dillard's, Inc., 1938 gegründet, schon vor zwei Jahren Plakatständer vor den Geschäften aufgestellt. Die Kundenstopper verwiesen auf die Aktivitäten des Warenhauses auf Facebook und Twitter.

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Auch in Deutschland gibt es positive Beispiele. Das Modehaus Huchler women in Friedrichshafen am Bodensee weist auf dem Schaufenster auf seine Facebook-Präsenz hin.

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Die Einbindung von Facebook auf der Homepage des Modehauses ist in diesem Fall sehr zentral. Der Hinweis auf die Social-Media-Aktivitäten auf der unternehmenseigenen Homepage gehört aber durchaus zum Mindeststandard.

Aktionen außerhalb des Internets sterben im Handel natürlich genauso wenig aus wie erlebnisorientierte Markenwelten in der Stadt. Offline-Aktivitäten werden einfach immer weiter mit dem Internet verschmelzen. Aktionen, die offline starten, werden online weiter geführt - und umgekehrt. Die enge Verbindung von Online (Facebook, Twitter usw.), Mobile (App) und Offline (Promotion, PR, Einkauf im Laden) schafft Aufmerksamkeit, Interaktion und trägt bei richtiger Heransgehensweise auch direkt zur Steigerung des Verkaufs bei.

Thomas Mavridis
Inhaber der Agentur DIE PR-KANZLEI und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg

 

 

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Marken-PR im Wandel

Kraftvolle Marken schillern und polarisieren, sie geben Halt und wirken vertraut, haben eine Persönlichkeit und Werte. Diese sollen manchmal verändert oder geschärft werden. Die Aufgabe der Marken-PR ist es, bei Markenbildung und Entwicklung der Markenpersönlichkeit mitzuarbeiten, damit ein glaubwürdiges, einheitliches und stringentes Bild einer Marke entsteht. Dieser Anspruch an Marken-PR ist immer gleichbleibend - aber die Methoden der Marken-PR verändern sich beständig.

Professionelles Themenmanagement online und offline

Basis jeder Marken-PR ist ein professionelles Agenda Setting und Themenmanagement. Das Schaffen von Themenschwerpunkten und Aufbereiten von Anlässen, in deren Umfeld sich die Marke präsentieren kann, war und ist immer noch die beste Grundlage, um eine Markenbotschaft berichtenswert zu machen und  emotionale Nähe zu schaffen.

Heutzutage hat die Marken-PR einen starken Fokus auf dem Internet und sozialen Netzwerken. Immer mehr Marken sind dort aktiv und präsentieren sich. Konsumgüterunternehmen wie Starbucks oder der Gebäckhersteller Lambertz, Modeunternehmen wie Esprit oder Automarken wie BMW - sie alle sind in sozialen Netzwerken eng mit ihrer Zielgruppe verbunden und bekommen in der Community wichtige Informationen, wie die Fans ticken und welche Ansprüche sie an "ihre" Marke stellen.

Für jedes Unternehmen gilt es aufzufallen und mit ungewöhnliche Aktionen wie z. B. Guerilla-PR, die Zielgruppen besonders wirksam ansprechen. So ließ die Jeansfirma Lee im Rahmen eines Musikfestivals Hosen von einem Zeppelin abwerfen. Die Besucher konnten die Anzahl der Abwürfe per SMS beeinflussen und die aufgefangenen Hosen konnten dann gegen passende eingetauscht werden.

Denn egal ob online oder offline: Kunden, die positive Erlebnisse mit einer Marke verbinden, fühlen sich auch mit ihr verbunden. Ein Beispiel stellen wir näher vor: Die Traditions-Marke Persil hat seine Kommunikationsmaßnahmen immer an den Zeitgeist angepasst, ohne den Markenkern zu ignorieren und schafft damit seit über 100 Jahren eine enge Markenbindung beim Verbraucher.

Persil bleibt Persil, weil Persil nicht Persil bleibt

Dieser Ausspruch über die bekannteste Henkel-Marke kann man auf die PR für die Marke übertragen. Persil, im Jahre 1907 erfunden, war immer Vorreiter in der PR. Tradition und Innovation sind die wichtigsten Attribute der Marke und haben sie immer begleitet. In der Markenhistorie finden sich viele Beispiele exzellenter PR-Maßnahmen. So machte Henkel mit einer Zeitungsanzeige 1907 darauf aufmerksam, dass "in allernächster Zeit" das erste selbsttätige Waschmittel auf den Markt kommen wird. Henkel-Gründer Fritz Henkel ließ Menschen mit Persil-Sonnenschirmen durch Berlin laufen, das war damals so spektakulär, dass die Presse darüber berichtete. 

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Eine weitere PR-Idee waren die "Himmelsschreiber": Flugzeuge schrieben das Wort Persil in den Himmel und sorgten so für beträchtliche Aufmerksamkeit. Auch die Haushaltsschulen in großen Städten waren eine medienträchtige Maßnahme. Junge Damen lernten hier den richtigen Umgang mit der Wäsche, zur damaligen Zeit eine sehr wichtige Tugend. Und der von Persil produzierte Kinofilm "Wäsche, Waschen, Wohlergehen" hatte in den 30er Jahren mehr als 30 Millionen Zuschauer. Zahlen, von denen jeder Hollywood-Produzent nur träumen kann. Im Jahr 1956 war Persil wieder Vorreiter: Der erste TV-Werbespot, der in Deutschland im TV ausgestrahlt wurde, war ein Spot über Persil

Im Jahr 2007 feierte die Marke ihren 100. Geburtstag. Zahlreiche Aktionen begleiteten das Jubiläum: Es gab eine Schiffstour quer durch Deutschland mit dem "Persil-Erlebnisschiff" und einer Ausstellung übers Waschen an Bord. Durch die Ausschreibung des sozialen Projekts "Futurino" zeigte die Marke ihre soziale Verantwortung und unterstütze Kinder- und Jugendprojekte.

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In Zeiten von Social Media ist Persil natürlich im Netz vertreten und zeigt auch hier wieder seine punktgenaue Kommunikation: Die Facebook-Seite hat mehr als 48.000 Fans und führt einen stetigen Dialog mit seiner Zielgruppe.

Sicherlich wird die Marke auch zukünftig zeitgemäß und öffentlichkeitswirksam ihren kommunikativen Weg gehen. Und das auch, weil sich die Marken-PR zusammen mit der Marke entwickelt und nicht so bleibt, wie sie ist.

Nadja Amireh

Anja Beckmann

Nadja Amireh und Anja Beckmann führen gemeinsam get noticed! communications. Die Agentur für PR & Social Media bündelt ihre 20 Jahre PR-Erfahrung aus Unternehmen (Henkel, Kraft Foods, Starbucks) und mehrjährige Social Media Erfahrung. Sie leiten den neuen Arbeitskreis „Markenkommunikation“ der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG):

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Mitnehmen statt überfahren. Die digitale Glaubwürdigkeit

Wo man sich auch aufhält im Social Web – die Werbeflut der Unternehmen ist ein ständiger Begleiter. Facebook, Twitter, YouTube ohne Werbung? Diese Vorstellung ist so romantisch wie realitätsfern. Es gibt kein Netzwerk, das nicht schon vom aggressiven Werben eingenommen wurde. Da wird getweetet, gepostet, geuploadet, was die Marketingabteilung hergibt. Es ist kein Makel, es ist eine Fehlentwicklung, die Social Media teilweise in ein Reservoir für Werbebotschaften pervertiert.

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Werbung vs. Selbstdarstellung

Wer die sozialen Netzwerke als Werbeträger versteht, hat nichts verstanden. Und wird vom Selbstverständnis der Netzgemeinde ausgebremst. Klar, eine Marke muss präsent sein, sich positionieren, verkaufen. Sie muss in Social Media dargestellt werden, Versprechungen machen und Bedürfnisse wecken. Soweit, so Marketing! Wäre da nicht die Sache mit der Glaubwürdigkeit und den einschlägig bekannten Defiziten der Werbung. Oder glauben Sie jedem TV-Spot? Sehen Sie!

Social Media haben die Regeln der Glaubwürdigkeit nicht verändert, aber verschärft. Die Nutzer sind kritischer, emanzipierter geworden, haben einen Schutzwall gegen jede werbliche Überredung aufgebaut. Zugleich provozieren schamloses Selbstlob und unglaubwürdiges Werben eine direkte Reaktion: Im „besten“ Fall verschließen sich Nutzer dieser Überrumpelung. Im schlimmsten Fall verweigern sie einer Marke die weitere Gefolgschaft. Die digitale Guillotine köpft eine Marke letztlich dann, wenn sich die Ablehnung Einzelner im Netz verbreitet, wenn bei Facebook Gegenkampagnen gestartet werden und am Ende auch die Presse Stimmungen aus dem Netz aufgreift.

Glaubwürdigkeit als Leitbild

Marken, die erfolgreich digital kommunizieren wollen, müssen sich von vielen Regeln des Verkaufens verabschieden und sich auf das besinnen, was einseitige Werbung nicht leisten kann: Dialog, Offenheit und Transparenz. Zuhören und nachfragen, sich sozialisieren und interagieren, die Interessen spiegeln und Konsens suchen, kontrovers aber ehrlich – darum geht es in Social Media. Und nur das führt zu Akzeptanz, Mitsprache und nachhaltige Beziehungen. Ein Kapital, das sich auch in Krisensituationen auszahlt: Wer frühzeitig auf Glaubwürdigkeit setzt, kann seinen Standpunkt leichter vertreten. Dabei muss klar sein: Kritik ist zwar nicht angenehm, schlimmer ist aber, wenn Kritik ausbleibt. Kritik bedeutet zunächst, dass sich jemand mit einer Marke auseinandergesetzt hat. Diesen wertvollen Input gilt es aufzunehmen. Er zeigt dem Unternehmen mögliche Fehlentwicklungen – und beweist Wertschätzung gegenüber den Kritikern. Vielen Unternehmen scheint nicht klar zu sein, wie schnell sich Probleme dadurch lösen und Kritiker überzeugen lassen.

Notwendig, um durchgreifende Glaubwürdigkeit zu erreichen, ist das verbindende Moment. Die Mediennutzung verwischt zunehmend die Grenzen zwischen „klassischen“ und digitalen Kanälen. Man nutzt nicht TV, Radio, Print oder das Internet – man nutzt Medien. Konsequente und umfassende Authentizität als Credo aller Maßnahmen darf daher nicht zwischen den einzelnen Kommunikationskanälen unterscheiden. Was hier behauptet wird, darf dort nicht umgedeutet oder konterkariert werden.

Drei verbindliche Grundsätze glaubwürdiger Kommunikation:

1. Versprechen Sie nicht, was Sie nicht einlösen können. Nichts blamiert Sie mehr, als wenn Ihren Aussagen keine Taten folgen. Zeigen Sie sich als verlässlicher Ansprechpartner und Tippgeber, der sich nur dann zu Wort meldet, wenn er auch wirklich etwas Fundiertes, Substantielles zu vermelden hat. Belegen Sie, was sie sagen.

2. Bleiben Sie immer ehrlich. Zwischen Ihren Aussagen und dem tatsächlichen Handeln oder Geschehenen darf keine Diskrepanz bestehen. Nur wer hält, was er verspricht, und sagt, wie es ist, wirkt authentisch, seriös und erweckt Vertrauen. Das bedeutet auch, dass Sie Fehler kommunizieren – und nicht versuchen, Dinge zu schönen.

3. Verzichten Sie auf Eigenlob, im Netz gibt es schon genug davon. Eine Marke entsteht im Kopf der Nutzer. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken, kommunizieren sich aktiv, positiv und kontinuierlich. Überzeugen Sie mit Ihren Leistungen – nicht allein mit Ihrem Auftritt. Lob ist ein Kompliment, das man von anderen bekommt.

Dennis Sulzmann

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Dennis Sulzmann ist Kommunikationsberater. Im Medientrainerblog schreibt er über Social Media, Corporate Communications und Reputation Management.

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Top-Marken noch immer in den Kinderschuhen

Mit 600 Millionen Nutzern ist Facebook heute das größte soziale Netzwerk weltweit. Bereits 2010 waren 30 Prozent der Weltbevölkerung mit Online-Zugang auch auf Facebook präsent. So haben mittlerweile auch Unternehmen die Bedeutsamkeit von Facebook erkannt und drängen zunehmend in das soziale Netzwerk. Dennoch zeigt eine aktuelle Untersuchung der Facebook-Auftritte der 50 weltweit größten Marken deutlich, dass deren Aktivitäten heute noch weitgehend in den Kinderschuhen stecken.

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Die meisten internationalen Marken nutzen Facebook vorrangig für eine Einweg-Kommunikation. Beispielsweise Disney, Gucci, McDonald's, Louis Vuitton, American Express und Sony lassen an ihrer Pinnwand keine Einträge zu. Damit bleiben die Möglichkeiten des sozialen Netzwerks für den Aufbau und die Intensivierung von Kundenbeziehungen nahezu ungenutzt. Im Untersuchungszeitraum November und Dezember 2010 blieben 89 Prozent aller Nutzer-Einträge auf den Facebook-Seiten führender Marken unbeantwortet.

Außerdem scheinen viele Unternehmen das offene Verbraucher-Feedback zu scheuen: Mit einer einzigen Ausnahme haben alle Top-Marken ihre Pinnwand mit einem Filter versehen. Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung der Unternehmen ist die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust. Dabei hat Social Media ein enormes Potenzial, Unternehmen beim Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen zu unterstützen.

Viele Unternehmen sind organisatorisch zudem noch immer nicht richtig aufgestellt, um sich ins Social Web zu wagen. Wer sich auf Plattformen mit Echtzeitkommunikation begibt, muss auch in der Lage sein, schnell zu reagieren.

Unternehmen müssen sich vor allem bewusst sein, dass es sich bei Social Media um keinen weiteren Werbekanal handelt.

Bereits im Januar 2010 präsentierte Mashable.com “The 10 Stages of Social Media Business Integration”. Im Prinzip lassen sich diese Richtlinien auf vier wichtige Punkte verdichten:

1. Zuhören
2. Priorisieren
3. Engagieren
4. Integrieren


Positive Resonanz ernten auf Facebook also vor allem jene Unternehmen, die zuhören und eine Verbindung zum Nutzer aufbauen können. Wichtig ist außerdem die Bereitstellung entsprechender finanzieller und personeller Ressourcen.

 

Thomas Mavridis
Inhaber der Agentur DIE PR-KANZLEI und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg

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Social Media im Finanzdienstleistungsmarkt eine zeitgemäße Ergänzung

In der Studie "Wealth Management and Social Media" hatte MyPrivateBanking.com die Stärken und Schwächen der Social-Media-Auftritte der 30 größten Banken und Vermögensverwalter weltweit untersucht.

Doch tun Finanzdienstleister überhaupt gut daran, sich mit dem Thema Social Media auseinanderzusetzen?

 

Kommunikationsstrukturen

 

Eine aktuelle Marktstudie mit dem Titel "Mode oder Trend? Social Media im Finanzdienstleistungsmarkt" zeigt, dass sich Social-Media-Aktivitäten sowohl für die Bindung anspruchsvoller, kritischer und zugleich weniger preissensitiver Kunden als auch für die Hinführung jüngerer Kunden an die Marke lohnen. Um in Social Media aber zu punkten, sind Kundenorientierung und Empathie unverzichtbar. Die Zielgruppen mit dem höchsten Potenzial haben einen sehr hohen Anspruch an Information, Beratung und Service. Kommunikation auf Augenhöhe ist für sie auch im Social-Media-Bereich ein absolutes Muss.

 

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Insgesamt lässt sich festhalten, dass Finanzdienstleister gut daran tun, sich mit dem Thema Social Media auseinanderzusetzen. Dabei ist es ratsam, sensibel vorzugehen. Finanzdienstleister sollten ganz bewusst nicht das gesamte Spektrum möglicher Einsatzgebiete nutzen. Wichtig ist die Passung und die grundlegende Seriosität. Eine übertriebene Zurückhaltung wäre allerdings verfehlt. Die Befürchtung, dass Aktivitäten im Social-Media-Umfeld per se negative Folgen für die Wahrnehmung als seriöser Marktteilnehmer haben könnten, sind unbegründet. Social-Media-Aktivitäten sind auch im Finanzdienstleistungsbereich eine zeitgemäße Ergänzung der gängigen Kommunikationswege.

Thomas Mavridis
Inhaber der Agentur DIE PR-KANZLEI und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg.

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