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Tour de Ländle – Traum und Wirklichkeit

 

Die Vision

Eine Liebeserklärung soll sie werden, die Tour de Ländle. Eine Liebeserklärung an das Land Baden-Württemberg, seine unterschiedlichen Kulturlandschaften, seine Naturschönheiten, seine Dörfer, Städte und Menschen. Diese Liebeserklärung soll anstecken, süchtig machen und für jeden er-fahr-bar sein. Denn: Baden-Württemberg ist ein Land wie es schöner und vielfältiger nicht sein kann. Da sind wir daheim!

Die Theorie

Eine Tour mit soviel Freiheit für jeden Tour-Teilnehmer wie möglich. Das ist die Theorie. Jeden Tag nur Start und Ziel festlegen, eine exakte Streckenbeschreibung liefern, dafür sorgen, daß die Museen und Kirchen auf der Strecke geöffnet sind. Wer wo was auf der Strecke anschaut oder wo einer vespert und mit wem, das entscheidet jeder Tour-Teilnehmer selbst. Jeder kümmert sich auch um sein Quartier. Der eine will´s spartanisch, der andere sucht den Luxus. Alles kein Problem. Es setzt nur eines voraus: Tour-Fahrer machen sich schon zuhause mit ihren 14 Tagesetappen vertraut, studieren Landkarten und Kulturführer. Ganz nach dem Motto: Ich sehe nur was ich weiß. Ich bereite ich mich auf meine Tour de Ländle vor, weil sie nur so im Kopf, im Bauch, in den Beinen zu meinem unverwechselbaren Baden-Württemberg-Erlebnis wird. Schon zuhause am Küchentisch von der Tour träumen, dabei Baden-Württemberg entdecken und seinen individuellen Tour-Plan als ein persönliches Schatzkästlein anlegen , so die Theorie.

Die Tour-Strecke ausschildern, allein der Gedanke ist unerträglich.

Die Praxis

Tour de Ländle-Teilnehmer sind nette Leute. Aber selbst Entdecker spielen dürfen, mit Landkarte und so? Nein Danke! Das wollen sie nicht, unsere Landes-Entdecker. Sie fahren schön brav im Pulk den roten Radlern hinterher, den Ländle-Guides vom schwäbischen und badischen Radsportverband. Oder sie radeln in Gruppen bis zu 30 Leuten einfach einem selbsternannten Leithammel nach. Da werden die Umwege zum Tour-Special. Wie heißt es so schön: Die schönsten Wege sind die Umwege.

Wir begreifen schnell und handeln: Ausschilderung der Strecke, organisierte Führungen an den schönsten Plätzen im Land, in Kirchen und Museen. Mittagsrast für alle. Mit Gulaschkanone und roter Wurst.

Der Takt

Baden-Württemberg ist Berg und Tal in immer neuen Variationen. Das geht in die Beine. Nur nicht absteigen, denkst du, wenn´s die Alb hochgeht oder den Schwarzwald. Lieber winseln und jaulen und nach Luft hecheln, lieber die Pedale drücken bis es im Oberschenkel schmerzt als absteigen. Du denkst, der Wille entscheidet, ob Du im Tritt bleibst oder schiebst. Falsch gedacht. Es streiken einfach die Beine. Sie tun nicht mehr das, was ihnen der Kopf befiehlt. Also heißt es absteigen und schieben. Treten, schieben, treten, schieben, das ist der Tour de Ländle-Takt.

Kirchenkampf

Wir fahren durch Oberschwaben. Kirchenkampf. Pfarrer gegen Barockhasser. Der Pfarrer: Die Leute konnten nicht lesen vor 250 Jahren. Die Künstler des Barock haben den Menschen das glückliche Leben im Jenseits in die Kuppeln der Basiliken gemalt. Der Barockhasser: Es war nach Pest und Hungersnot im Dreißigjährigen Krieg die Faszination am Pompösen und Prachtvollen. Das war die Welt des Adels und der Kirchenfürsten und auch der schwäbischen Barockprälaten. Was wir hier sehen sind steinerne Monumente einer prachtverliebten Obrigkeit. Das spürst du bis hin zur kleinsten oberschwäbischen Barockkirche.

Das Menschliche

Es kommen zum Start einer Tour zwei auf einem Tandem an, ihrem Fahrrad für das Leben zu zweit. Geschmückt mit weißen Moosröschen. Vorne eine wunderbare Braut ganz in weiß, dahinter der Bräutigam mit Frack und Zylinder. Die beiden sind auf Tour de Ländle-Hochzeitsreise. Ein Jahr vorher hatten sie sich auf der Tour kennengelernt. Sie hatte noch kein Quartier, er ein Zelt. Wie die Liebe so spielt.

Schlußansichten

Die 65-jährige Bäuerin sitzt mit weitem Rock auf ihrem kupferfarbenen Klapprad ohne Gangschaltung. Bewundernswert, wie sie sich über die Berge hinwegschindet. Die Frau kommt nach jeder Touretappe überglücklich zum Radiobus:

"Also so ebbes schön´s wie die Tour de Ländle hab i überhaupt no net erlebt."

Heinz Waldmüller
Heinz Waldmüller, Jahrgang 1944, ist seit 30 Jahren Rundfunkredakteur, zuerst beim SDR, jetzt SWR. Er gilt beim SWR als "Vater" der Tour de Ländle und der "Pfundskur".

 

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